Blutfreitag Weingarten

Blutfreitag in Weingarten

Herrlich sind die Pferde anzuschauen wie sie fein geschmückt sind zu Ehren Gottes

Dann ist es wieder soweit , für den Blutritt der jedes Jahr immer am Freitag nach Christi Himmelfahrt stattfindet. Den hier in Oberschwaben die Leute Blutfreitag nennen.

 

Rollten früher an Christi Himmelfahrt dem Vortag der Blutritts, ganze Kutschenkolonnen und Pferdewagen gen Weingarten, wo Reiter und Pferde in einem Gasthof Quartier bezogen, so ist es heute viel einfacher die Anreise wird mit dem Pferdetransporter gemacht dadurch ist es wesentlich schneller und einfacher.

Die Blutfreitagsfeierlichkeiten beginnen schon am Vorabend, also an Christi Himmelfahrt, wenn tausende von Pilgern nach einem Festgottesdienst in Deutschlands größter Barock-Basilika in einer Lichterprozession betend und singend durch die Stadt hinauf zum Kreuzberg ziehen.


Die Prozession ist ein eindrucksvolles Glaubensbekenntnis der oberschwäbischen Katholiken, die diesen Tag zu einem Feiertag machen und mit ihren Pferden, Reitern, Musikkapellen, ihren Pfarrherren und Ministranten nach Weingarten kommen, um den Segen des Heiligen Blutes Jesu Christi für Haus, Hof und Felder zu erbitten. Mehr als 3 000 Pferde mit prächtigen Geschirren und deren Reiter in Frack und Zylinder machen den Weingartener Blutritt einmalig in Europa.

Die Geschichte des Blutritts ist die Geschichte des Heiligen Blutes. Sie beginnt mit dem Tod Jesu Christi am Kreuz. Am Kreuze hängend wird Jesus mit einer Lanze von dem römischen Soldaten Longinus tief in die Seite gestochen. Das vom Jesu Körper herunterfallende Blut berührt das Gesicht des Longinus - dieser wird dadurch von seiner Blindheit (- der Blindheit seiner nun erkennenden Seele) geheilt. Hier liegt der Ursprung der heilenden Wunderwirkung des Blutes Jesu. Longinus sammelt nach diesem - für ihn schicksalhaften - Ereignis etwas von dem vergossenen  Blut Jesu und bewahrt es in einem bleiernes Kästchen auf. Longinus wird erkennend gläubig, lässt sich von den Aposteln taufen und schließt sich ihnen an. Aufgrund der Christenverfolgung verlässt Longinus Jerusalem und fährt mit dem Schiff nach Italien, genauer gesagt nach Mantua. Das heilige Blut weiter um seinen Hals hängend, predigt Longinus dort und bekehrt viele Menschen zum christlichen Glauben. Daraufhin wird auch in Mantua eine Welle der Christenverfolgung losgelöst, was Longinus dazu bewegt, das Bleikästchen mit dem Heiligen Blut zu verstecken. Longinus erleidet im Folgenden den Märtyrertod.

Nachdem dem blinden Adilbero der verborgene Schatz in späterer Zeit offenbart wird, meldet dieser seine Offenbarung an höchster Stelle. Schnell verbreitete sich diese Nachricht auch im Volk und schließlich erfährt auch der Kaiser in Regensburg von der göttlichen Offenbarung Dieser teilt die Kunde dem Papst und dem Herzog von Mantua mit. Gemeinsam reisen sie nach Mantua und lassen sich von Adilbero den offenbarten Platz zeigen. Bei der Entdeckung bekommt Adilbero sein Augenlicht zurück, wie es ihm prophezeit wurde, und auch andere werden von ihren Leiden erlöst. Im folgenden versucht der Papst, die Heilig-Blut-Reliquie nach Rom zu entführen, was ihm aber nach blutigen Auseinandersetzungen nicht gelingt. Die Reliquie wird nun in der neuerbauten Andreaskirche zu Mantua aufbewahrt. Zuvor jedoch wurde die Reliquie geteilt. Der Papst und der deutsche Kaiser verlassen Mantua mit ihren Reliquienteilen.

Der Erläuterungstext spricht in diesem Zusammenhang von einer Dreiteilung. Sterbend übergibt der Kaiser die Reliquie dem Grafen Balduin von Flandern, der wiederum bei seinem Tod die Reliquie seiner Tochter Judith vererbt. Judith von Flandern heiratet Welf IV. von Altdorf, Herzog von Bayern. Als dieser zum Kreuzzug ins Heilige Land aufbricht, beschenkt er das Kloster Weingarten und Judith übergibt dem Kloster Weingarten die Heilig-Blut-Reliquie.

Geschichte des Heiligen Blutes

»Ihr wisst, ihr seid nicht mit vergänglichen Werten, mit Gold und Silber losgekauft, sondern mit dem kostbaren Blut Jesu Christi, des Lammes ohne Fehl und Makel« 1. Petrus 1,18f

im Jahr 33 Jesus Christus stirbt in Jerusalem am Kreuz

Unter den zahlreichen Schaulustigen die der Kreuzigung beiwohnen befindet sich der römische Soldat Longinus. Der Soldat Longinus wurde, wie historische Quellen vermuten lassen, zur Kreuzigung befohlen, da er Bestandteil der römischen Exekutive war. Jesus Christus blutete am Kreuz aus vielen Wunden. Longinus sammelt Blut aus einer Seitenwunde, welches auf die Erde fiel. Er tat dies, nachdem ihm ein Moment der Erleuchtung widerfahren war.
Später bekannte sich Longinus zum Christentum. Er wurde deswegen verfolgt. Bei seiner Verfolgung begibt er sich nach Kappadokien. (Türkei )


(Anmerkung: Heute findet sich in Weingarten, zu Ehren und zum Gedenken an den Soldaten und römischen Legionär Longinus, der Longinusbrunnen oberhalb von der Basilika an der Straße Richtung Wolfegg)

im Jahr 553 Viele Jahre sind seit der Kreuzigung vergangen. Es war wohl als Gegengeschenk von Konstantinopel, weswegen die Stadt Mantua die Gebeine des Heiligen Longinus und die Reliquie des kostbaren Blutes erhält.

im Jahr 580  Mantua wird ein Jahr lang von den Langobarden belagert. Die Reliquien werden an einem geheimen Ort verborgen.

im Jahr 804  Die erste Auffindung: Papst Leo III. (795-816) und Karl der Große (768-814) prüfen die Reliquie.

im Jahr 923 Mantua wird durch die Ungarn belagert. Die Blutreliqie wird vergraben. Zuvor schon war sie geteilt worden. Der größere Teil, zusammen mit den Longinusreliquien im Garten des Andreashospitals, der kleinere Teil in der alten Kirche des hl. Paulus, nahe der Kathedrale ( 1479 aufgefunden )

12. März 1048  Zweite Auffindung des größeren Teils der Blutreliquie und der Gebeine des hl. Longinus in Mantua

im Jahr 1053  Papst Leo IX. (1049-1054) beruft eine Kirchensynode nach Mantua ein und will die Reliquie des kostbaren Blutes nach Rom mitnehmen. Wegen des Widerstandes der Mantuaner kommt es zur Teilung der Hl. Blutreliquie, so dass ein Teil in Mantua verbleibt, der andere nach Rom gelangt.

im Jahr 1055  Kaiser Heinrich III. (1039-1056) kommt nach Mantua und erhält einen weiteren Teil der Blutreliquie.

im Jahr 1056  Der Kaiser stirbt. Graf Balduin V. von Flandern (1035-1067) erhält die Blutreliquie als Zeichen der Versöhnung.

Graf Balduin V. vererbt die Reliquie seiner Tochter Judith (1032-1094). Gräfin Judith war verheiratet in 1. Ehe (1051-1066) mit Tostig, Graf von Northumberland, in 2. Ehe (1071-1094) mit Welf IV.

Am 31. Mai 1090 bzw. am 12. März 1094 übergibt Judith die Reliquie dem Kloster Weingarten, der Lieblingsstiftung und Grablege der Welfen.

 Der Überlieferung nach war der Tag der Übergabe an Abt Walicho (1088 -1108) der Freitag nach Christi Himmelfahrt. Deshalb wird dieser Tag besonders feierlich begangen (Blutritt).

Texte über die Geschichte des Heiligen Blutes wurden entnommen mit freundlicher Genehmigung von

www.blutritt.de