Gedicht des Barockdichters 

Johann Georg  Greflinger ( ca. 1620 - 1677 )

 

An eine vortreffliche , schöne und tugendbegabte Jungfrau

Gelbe Haare , güldne Stricke, Taubenaugen , Sonnenblicke,

Schönes Mündlein von Korallen; Zähnlein die wie Perlen fallen,

Lieblichs Zünglein in dem Sprachen, Süses Zürnen , Süses Lachen,

Schnee-und lilienweiße Wangen, die voll roter Rosen hangen,

Weißes Hälslein gleich dem Schwanen, Ärmlein die mich recht gemahnen

Wie ein Schnee , der frisch gefallen Brüstlein wie zween Zuckerballen,

Lebensvoller Alabaster Große Feindin aller Laster,

Frommer Herzen schöne Spiegel, aller  Freiheit goldner Zügel,

Ausbund aller schönen Jugend, Aufenthalt aller Tugend,

Hofstadt aller edlen Sitten: Ihr habt mein Herz

 

Karoline von Günderode - Ein Kuss im Traume, 1805

Es hat ein Kuss mir Leben eingehaucht,

Der Tag ist karg an liebesüßen Wonnen

Gestillet meines Busens tifstes Schmachten,

Es schmerzt mich seines Lichtes eitles Prangen

Komm, Dunkelheit! Mich traulich zu umnachten,

Und mich verzehren seiner Sonnen Gluthen.

Dass neue Wonne meine Lippe saugt.

Drum birg dich Aug’, dem Glanze irrd’scher Sonnen!

Hüll` dich in Nacht, sie Stillet dein Verlangen

In Träume war solch Leben eingetaucht,

 Und heilt den Schmerz, wie Lethes kühle Fluthen.

Drum leb’ ich, ewig Träume zu betrachten,

Kann aller andern Freuden Glanz verachten,

Weil nur die Nacht so süßen Balsam haucht

 

 Andreas Gryphius

Thränen des Vaterlandes Anno 1636

Wir sind doch nunmehr gantz / ja mehr denn gantz verheeret!
Der frechen Völcker Schaar / die rasende Posaun
Das vom Blutt fette Schwerdt / die donnernde Carthaun /
Hat aller Schweiß / und Fleiß / und Vorrath auffgezehret.

Die Türme stehn in Glutt / die Kirch ist umgekehret.
Das Rathauß ligt im Grauß / die Starcken sind zerhaun /
Die Jungfern sind geschänd't / und wo wir hin nur schaun
Ist Feuer / Pest und Tod / der Hertz und Geist durchfähret.

Hir durch die Schantz und Stadt / rinnt allzeit frisches Blutt.
Dreymal sind schon sechs Jahr / als unser Ströme Flutt /
Von Leichen fast verstopfft / sich langsam fort gedrungen.

Doch schweig ich noch von dem / was ärger als der Tod /
Was grimmer denn die Pest / und Glutt und Hungersnoth /
Das auch der Seelen Schatz / so vielen abgezwungen.

 

 

Paul Gerhard  Abendlied

Nun ruhen alle Wälder,
Vieh, Menschen, Städt' und Felder,
es schläft die ganze Welt.
Ihr aber, meine Sinnen,
auf, auf, ihr sollt beginnen,
was eurem Schöpfer wohlgefällt.

Wo bist du, Sonne, blieben?
Die Nacht hat dich vertrieben,
die Nacht, des Tages Feind.
Fahr' hin, ein andre Sonne,
mein Jesus, meine Wonne,
gar hell in meinem Herzen scheint.

Der Tag ist nun vergangen,
die güldnen Sterne prangen
am blauen Himmelssaal.
Also werd' ich auch stehen,
wenn mich wird heißen gehen
mein Gott aus diesem Jammertal.

Der Leib eilt nun zur Ruhe,
legt ab das Kleid und Schuhe,
das Bild der Sterblichkeit.
Die zieh' ich aus, dagegen
wird Christus mir anlegen
den Rock der Ehr und Herrlichkeit.

Das Haupt, die Füß' und Hände
sind froh, daß nun zum Ende
die Arbeit kommen sei.
Herz, freu dich, du sollst werden
vom Elend dieser Erden
und von der Sünden Arbeit frei.

Nun geht, ihr matten Glieder,
geht hin und legt euch nieder,
der Betten ihr begehrt.
Es kommen Stund' und Zeiten,
da man euch wird bereiten
zur Ruh' ein Bettlein in der Erd.

Mein Augen stehn verdrossen,
im Nu sind sie geschlossen.
Wo bleibt dann Leib und Seel?
Nimm sie zu deinen Gnaden,
sei gut für allen Schaden,
du Aug' und Wächter Israel

Breit aus die Flügel beide,
o Jesu, meine Freude,
und nimm dein Küchlein ein.
Will Satan mich verschlingen,
so laß die Englein singen:
Dies Kind soll unverletzet sein.

Auch euch, ihr meine Lieben,
soll heute nicht betrüben
kein Unfall noch Gefahr.
Gott laß' euch selig schlafen,
stell' euch die güldnen Waffen
ums Bett und seiner Helden Schar.

 

    

         

 Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

    Vergänglichkeit der Schönheit

Es wird der bleiche Tod mit seiner kalten Hand
Dir endlich mit der Zeit um deine Brüste streichen /
Der liebliche Corall der Lippen wird verbleichen;
Der Schultern warmer Schnee wird werden kalter Sand /
Der Augen süsser Blitz / die kräffte deiner Hand /
Für welchen solches fällt / die werden zeitlich weichen /
Das Haar / das sitz und kan des goldes Glantz erreichen /
Tilget endlich Tag und Jahr als ein gemeines Band.

Der wohlgesetzte Fuß / die lieblichen Gebärden /
Die werden theils zu staub / theils nichts und nichtig werden /
Denn opfert keiner mehr der Gottheit deiner Pracht.
Diß und noch mehr als diß muß endlich untergehen /
Dein Hertze kan allein zu aller Zeit bestehen /
Dieweil es die Natur aus Diamant gemacht.

 

 

  Catharina Regina von Greiffenberg – [ Gegen Amor ], 1658

 

Der kleine Wüterich mag mit den Pfeilen spielen

und tändeln, wie er will: er gewinnet mir nichts ab,

weil gegen seine Pfeile ein Demant Herz ich hab.

Er machet mich nicht wund, ich darf nit Schmerzen fühlen.

Er mag mit tausend List auf meine Freyheit zielen.

Ihm ich, dem blinden Kind, ein Zucker-Zeltlein gab:

Er meint’, es wär mein Herz. O leicht-geteuschter Knab!

Ich will mein Mütlein noch an deiner Einfalt kühlen.

Schau, wie gefällt dir das! trotz, spräng mir diesen Stein

mit deinem goldnen Pfeil. Der Lorbeer soll mich zieren,

nicht deine Dornen-Ros’ und Myrthen-Sträuchelein.

Du meinst es sey nur Scherz, ich wolle mich vexiren.

Nein! nein! die süße Ruh soll mir das Liebste seyn,

mein dapfers Herz soll nichts als Ruh und Freyheit spüren.