die Mühlenstraße

Auf über 100 Stationen kann man seit Frühjahr 2005 den Mühlen in Oberschwaben nachspüren.

Freitag den 15.7. 2005  übernahm die Europa Abgeordnete Elisabeth Jeggle die Schirmherrschaft über die neue Mühlenstraße. Die Taufe dieser neuen  Themenstraße fand in der Haslachmühle in Hasenweiler statt. Die Initiatoren dieser Straße sind Gerd Graf ,Inhaber der Dinkelmühle in Tannheim

www.dinkelmuehle-graf.de

und Dr. Lutz Dietrich Herbst, Lehrer und Wasserhistoriker aus Ummendorf  (bei Biberach

Viele dieser Mühlen sind noch in Betrieb  und können zumindest von außen besichtigt werden. In manchen der Mühlen kann gleich frisch gemahlenes Mehl  und andere Produkte der Region gleich eingekauft werden. Einige der Mühlen sind auch zum Museum ausgebaut und laden zur Einkehr oder im Sommer zum Baden im Mühlweiher ein. Fast alle Stationen der Mühlenstraße  Oberschwaben liegen in zeizvoller schöner Landschaft und lassen sich gut in Rad oder Wandertouren einbeziehen. Die Mühlenstraße beginnt bei Langenau in der nähe von Ulm und geht bis zum Bodensee . 

 

Wer Mühle sagt, denkt heute einzig an die Getreidemühle. Dass es aber über 300 verschiedene Mühlarten gab so zum Beispiel die Mahlmühle und Sägemühle, Ölmühle und Lohmühle ,Stampfmühle und Papiermühle, Walkmühle und Hammerschmiede   dies übersteigt ebenso unsere Vorstellung wie manch anderes auch das im Brunnen der oberschwäbischen Geschichte Versunken ist  .  

Wendelin kann sich noch gut erinnern wie sein Vater mit einem Sack Bucheckern den die Kinder gesammelt haben nach Ravensburg in die Mühle gefahren und dann mit Öl von eben dieser Mühle heimgekommen ist

.

 

Von über 370 Mühlen die sich allein im Landkreis Biberach nachweisen lassen, sind 90 % Buchstäblich den Bach hinuntergegangen  Oberschwaben, das Land der Tausend Seen und Weiher, war Jahrhunderte lang übersät von Mühlen. Der Name Mühlhausen etwa, jenem Dorf am Oberlauf der Umlach zwischen Eberhardzell  und Bad Waldsee, lässt vermuten, dass hier spätestens im siebten Jahrhundert Wassermühlen betrieben wurden. Für Bad Waldsee ist erstmals  im Jahre 750 eine Wassermühle erwähnt.

Der wirtschaftliche Aufschwung Oberschwabens im frühen Mittelalter ist eng mit den Mühlen verbunden. Neben den Reichsstädten Ulm , Ravensburg und Biberach waren Namentlich die Klöster, allen voran die Benediktiner von Ochsenhausen und Weingarten, die treibenden Kräfte der Müllerei und ihrer technischen  Fortentwicklung. Die Mönche erwiesen sich als ausgezeichnete Wasserbautechniker.

Die Mühlen mahlten Korn und Rinden, sägten Holz, stampften Samen und Knochen, walkten Leder und Wolle, rieben Lumpen hoben Eisenhämmer und Blasebalge oder pumpten Wasser. Mitte des 19. Jahrhunderts setzte ein Mühlensterben ein. Die Gebäude blieben zwar meist erhalten , die Nutzung ging jedoch verloren. Und mit den Mühlen verschwanden auch teilweise die Mühlbäche und  Mahlweiher. Nur vereinzelt  haben die Müller Oberschwabens den technischen und wirtschaftlichen Wandel überlebt.

 

Die hälfte der über 100 Objekte der Mühlenstraße ist innen zu besichtigen :die drei Museumsmühlen im Mühlendorf Amtzell zum Beispiel, die von Privatleuten , Gemeinde und dem Landkreis Ravensburg gemeinsam saniert worden sind , oder die Dorfmühle Längle in Fulgenstadt mit Mahlgängen  und Maschinen , die noch dem technischen Stand des Mittelalter entsprechen ;oder die Ailinger Mühle in Reichenbach bei Bad Schussenried, in welcher über 5 Stockwerke den Besuchern  der Weg vom Korn zum Mehl und die Kunst der Müllerei erklärt wird. Oder aber die Mühle von Gerd Graf in Tannheim. Seit dem Jahr 1100 liefert der künstliche angelegte Mühlbach die erforderliche Wasserkraft .( teile dieses Berichtes sind ein Auszug aus der Schwäbischen Zeitung vom 21. November 2005)

 

Die Mühlenstraße führt auch durch unsere Gemeinde in der die Rotachmühle in  Wilhelmsdorf - Esenhausen von Karl Saiger ist ,und im privaten Museum für bäuerliches Handwerk und Kultur  (von Sepp und Elfriede Schelshorn ) steht eine Hofmühle aus Hasenweiler .

     

 

120 Jahre sind ins Land gezogen

dies hat mich dazu bewogen ,

über unser Wasserrad zu schreiben

soll es uns noch lang erhalten bleiben

 

120 Jahre hat es treu seine Arbeit verrichtet

doch niemand hat je davon berichtet,

diese lange Zeit ,und es ist wie neu

Das kann man loben , das war uns treu!

 

120 Jahre lang hat es das Korn zu Mehl gemahlen

Würd man alles addieren wären es immense Zahlen

kräftig und ruhig dreht es sich im Kreis,

unzählig viele Liter Wasser sind schon drüber

die niemand weiß!

 

120 Jahre lang in guter und in schlechter Zeit

war es stets des Müller´s treu Geleit.

Mitsamt dem Bach bist Du ein Gespann

dem Herrgott Dank wer dies ersann.

 

 120 Jahre Dank für diese Treue

Du bist des Müller´s Kleinod ohne Reue

und immer noch bist Du auf trab

mit deinem immerschönen Klipp und Klapp!

© Gerd Graf  2004

 

 

hier noch ein echt schwäbisches Gedicht

 

  D´r Mielebach vo Dana

 

 Vom Wolfsloch henda em Daschoradal

Schlänglet sich d´r Bach in eiser Dorf  ganz schmal.

Treibt d´rbei zwoi Miela a

Kaum oiner sieht was so a Wässerle leista ka.

Seit honderte vo Johr lot der Bach ganz ohne murra

In boide Miela ´d Räder surra.

Zom bewondra gibt’s do ois ond des isch kähl

D´r oi Miller bäckt ond d´r and´r macht a Meahl.

D´rnoch wird der Bach en en Trog nei gspirrt

Daß der sich im Ort denna it verirrt.

Frieher isch des noit so gwea

Do hots em Dorf allbot a Iberschwemmong  gea.

Do send ´d Ratza od ´d Mäus de Fluta d´rvogsocket

Ond d´r Küfer Maier isch uff em Tisch dob g`hocket.

Durchs Dorf fließt heut d´r Bach im Trog weit donda

So mancher Fremde hot den manchmol gar it g´fonda.

Noch d´r Schäfergass  isch d´r Bach em Brial versickeret

Des dauret  aber z´lang bis ma ui hot des verklickeret.

Heit lauft d´r Bach en da Illerkanal nei

So kuz ond arbeitssam ka so a klitze  klei´s Bächle sei.

 

©  Gerd Graf Okt 2007