Mythos und Legenden des Holunder

Brauchtum:

In der Volksmagie soll zum Fiebersenken ein Holunderzweig in die Erde gesteckt werden, wobei kein Laut ausgestoßen werden soll.
Auch soll das Kauen auf einem Holunderzweig von Zahnschmerzen befreien, wenn man diesen anschließend in eine Mauer steckt, wobei die Worte: „Weiche, du böser Geist!“ gesprochen werden.

Aus unterschiedlichem Volksglauben ist bekannt, dass Krankheiten, unter anderem Zahnschmerzen, von bösen Geistern verursacht wurden.
Um Rheuma vorzubeugen, sollte das Tragen eines Holunderzweiges, in den man drei Knoten gemacht hat, helfen.
Gegen Warzen soll der Holunder helfen, in dem man mit einem grünen Zweig darüber reibt und ihn anschließend in der Erde vergräbt.
Erwartet eine Frau ein Kind, so soll sie einen Holunderstrauch küssen, was ihrem ungeborenen Kind Glück bringen soll. Eine Wiege aus Holunderholz soll das Neugeborene vor Unglück beschützen.
Es gibt einige Funde von Holunderblüten in britischen Hügelgräbern, was vermutlich darauf hindeuten könnte, dass die weißen Blüten im Totenbrauchtum eine Rolle spielten.

 Daß der Holunder eine besonders magische Pflanze ist, ist den meisten bekannt. Er wird der Göttin Hel, Holder ,Holla der Frau Holle, Hilde Moer auch zugeordnet aber auch  Elder- oder Fliederbeerbusch genannt. Alle ein und dieselbe Person, die für die Unterwelt stehen? Nicht im Sinne von Hölle,  sondern von einem Ort, an dem großes Wissen zu erlangen ist, der das Ende und den Anfang der Lebensreise bezeichnet.

Sie beschützte das Leben der Pflanzen und Tiere  und deshalb brachten die Germanen ihr auch unter einem Holunderbaum ihre Opfer dar.

Traditionell sind Sümpfe und andere Feuchtgebiete der Hel zugeordnet. In sich ruhend, in Nebel gehüllt geben sie nicht so leicht ihre Geheimnisse preis. Und genau dort ist Holunder besonders häufig anzutreffen. Er liebt die Feuchtigkeit und wächst an diesen Orten in großer Zahl, gibt der Landschaft durch seine Anwesenheit ein Flair des Dunklen, Unnahbaren. Trotzdem wirkt er in seiner Blütezeit häufig einladend. Wer über die Schwelle tritt, wird den Schatz finden.


Ein weiterer interessanter Punkt ist die Tatsache, dass Holunder ein Zeiger für Strahlung ist. Nicht im Sinne von Radioaktivität, sondern in Richtung Erdstrahlung, Kraftlinien, die maßgeblich für Kraftorte sind. An Holunder-Kraftplätzen steht eher die Schattenarbeit im Vordergrund, genauso wie Kraft und Konsequenz. Es ist die Zeit von Samhain, der Innenschau. Diese Richtung lässt sich an einem derartigen Ort besonders gut integrieren.


Holunder ist eine Pflanze, die dort wächst, wo sie will. Er lässt sich schwer vertreiben und scheint den Menschen regelrecht in ihre Siedlungen zu folgen. Es ist, als wolle er die dunklen Aspekte, die so gern schnell übersehen und ignoriert werden, wieder ins Bewusstsein holen. In früheren Zeiten war es üblich, vor dem Holunder den Hut zu ziehen. Es wird also Zeit, diesen Respekt vor diesem wunderschönen, starken Strauch wieder aufleben zu lassen.

Man pflanzte den Holunder oft zum Schutz gegen böse Geister und gegen den Blitzeinschlag als Hausbaum. Ein alter Glaube besagt, dass es ein Zeichen dafür sei, dass ein Verstorbener seine Ruhe gefunden habe, wenn ein auf seinem Grab eingepflanzter Holunderzweig zu wachsen begänne. Es war unter Strafe verboten, einen "Holler" zu fällen.

Der Holler dient, wie bereits erwähnt, auch dazu, Hexen erkennen zu können. So gibt es in Thüringen den Volksglauben, dass man an Trinitatis (der erste Sonntag nach Pfingsten) oder St. Johannis, wenn die Sonne ihren höchsten Stand hat, mit einem Spiegel vor der Brust auf einem Holunder sitzen muss. So kann man den „Binsenschneider“ (oder auch Bilmesschneider genannt – der sich auf den Feldern herum treibt und den Bauern die Ernte verdirbt) sehen.
Auf der Schwäbischen Alb wird gesagt, dass man in der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag auf einem Kirchhof einen Holunderzweig schneiden und aushöhlen soll. Dieser ausgehöhlte Zweig soll dann dazu verhelfen, an Karfreitag die Hexen zu sehen, die sich während des Gottesdienstes in der Kirche aufhalten. Einem weiteren Volksglauben nach soll man zu Ostern aus dem Holz des Holunders einen Zweig schnitzen und diesen am Osterabend nach dem Sonnenuntergang in eine gute, frische Milch tauchen, so dass der Rahm daran hängen bleibt. Diesen lässt man dann trocknen und wiederholt diese Prozedur dann am Abend einer Sonnenwende. Geht diese Person nun mit diesem Löffel zu einem Sonnenwendfeuer, so müssen ihr alle dort anwesenden Hexen nachlaufen

Aus diesem Teufelsholz, das beim Zwergholunder (s. u.) rötlich verfärbt ist, bestehen die Zauberstäbe der Hexen oder Amulette gegen deren Wirken. Gegen Hexen hilft auch, am 30. April einen Holunderzweig zu schneiden und ihn über der Haustür zu befestigen. Ins Haus gebracht zieht er den Tod an, mit einem Holunderzweig geschlagene Kinder stellen das Wachstum ein. Ein Tropfen Holundersaft in das Auge geträufelt ermöglicht es, das Wirken von Hexen wahrzunehmen. Diesen wiederum ist der Holunder für allerlei Gebräu wertvolle Zutat


Durch diese negative Behaftung wurde der Hollerbusch auch oft mit dem Tod in Verbindung gebracht. Tacitus überliefert, dass in Rom Särge nur aus Holunderholz gefertigt wurden. Das Kreuz Christi soll aus Holunderholz gezimmert worden sein, und Judas soll sich für seinen Freitod einen Holunderbaum ausgesucht haben. In Norddeutschland hielten die Fahrer von Leichenwagen immer einen Stecken vom Holunder in der Hand, um damit die Pferde im Zaum zu halten.
Vielleicht ist der Zusammenhang von Holunder und dem Tod aber auch ganz einfach dadurch zu erklären, dass die Wirkung bzw. Macht der Pflanze über die Gesundheit und somit auch über das Leben entscheidet.
 

Altpreußische Quellen erzählen von einem Volksglauben, dass unter dem Holunder der Erdengott Puschkaitis wohnt, dem Bier, Brot und andere Speisen geopfert wurden.
Aus Schweden stammt eine Überlieferung, die besagt, dass den Hausgeistern Milch geopfert wurde, in dem man diese über die Wurzeln eines Holunders goss.

Ein französisches Predigtbuch aus dem 13. Jahrhundert erzählt von dem Brauch, dass Frauen ihre Kinder zu einem Holunder trugen, ihm Ehrerbietung erwiesen und Geschenke brachten, damit er den Kindern Glück und Segen brachte und sie vor Gefahren schütze.
Der nordschlesische Pastor Arnkiel (1703) berichtet, dass, wenn einem Holunder die Äste gestutzt werden mussten, der Holzfäller kniend, mit entblößtem Haupt und gefalteten Händen sprechen musste: „Frau Ellhorn, gibt mir was von deinem Holze, dann will ich dir von meinem auch was geben, wenn es wächst im Walde.“


Vor allem in Irland und Spanien sagte man dem Holunder eine Verbindung zum Hexentum nach; hier war man davon überzeugt, dass der Hexenbesen nur aus dem Holz des Holunderbaumes gefertigt sein könne. Deswegen vermied man es, Möbel aus Holunderholz zu fertigen, damit kein Spuk und Unglück ins Haus einziehen konnte.

In unterschiedlichen Sagen wird die Heilige Maria mit dem Holunder in Verbindung gebracht. Im bayerischen Odenwald gibt es die Sage, dass dort, wo auf dem Schneeberg die Gnadenkapelle steht, einst ein Hollerbusch gestanden habe, auf dem immer wieder das Muttergottesbild der Pfarrkirche erschien. Wiederum erzählt eine badische Sage, dass Maria die Windeln des Jesuskindes an einem Holunder getrocknet habe.
Vermutlich hängt mit dieser „Heiligkeit“ des Holunders auch zusammen, dass der Holunder nicht (oder nur von Waisen und Witwen) verbrannt werden darf, da es sonst Unglück und Krankheit geben würde. So soll man auf Grund einer solchen Untat das ganze Jahr über an Zahnschmerzen leiden, Rotlauf (der die Farbe von Feuer hat!) bekommen oder die Pferde würden sterben.

In der Schweiz wird das Verbot der Holunderverbrennung mit der Heiligensage der Emerita begründet, die dieser zu Folge auf einem Scheiterhaufen aus Holunderholz verbrannt wurde. Auch in Frankreich und England hütet man sich davor, Holunder zu verbrennen. So wird in Frankreich gesagt, dass die Hühner des Übeltäters keine Eier mehr legen.

Der Holunder soll außerdem zu den Bäumen gehören, die nicht von Blitz getroffen werden. Die Begründung hat ihre Wurzeln wiederum im Marienglauben: Die Gottesmutter soll bei ihrer Flucht nach Ägypten unter einem Holunder gerastet haben. Allerdings beruht diese Begründung vermutlich auf einer Verwechslung mit dem Haselstrauch.

Holunderzweige, die an Sylvester geschnitten und dann zu einem Reifen gebogen werden, sollen ein Haus vor dem Ausbruch eines Feuers schützen, wenn sie aufgehängt werden.

 

Andererseits wurde der Holunder geschätzt,  auch als Glückssymbol  ,  schläft man unter einem Hollerbusch ein, gelangt man der Sage nach ins Feenreich. Einen Holunder am Hof gepflanzt soll das  Vieh vor Zauberei und damit Krankheit schützen , auf dem Felde dienen hierzu gekreuzte Holunderzweige. Als Medizin soll er, auf der Haut getragen, gegen Rheuma wirken. Bei Zahnschmerz soll helfen, auf ein Stück Holunderholz zu beißen, das ein Blitz getroffen hatte. Dabei hat der Patient seine Arme auf den Rücken zu legen.
Auch in der Kräutermedizin genießt er hohe Wertschätzung.

. Besonders in Bayern und Schwaben sowie im Elsaß war die Verehrung weit verbreitet und noch im 18. Jahrhundert wird berichtet, dass die Menschen den Busch um Verzeihung baten, wenn sie ihn fällen mussten. Aus seinem Holz wurden die Riegel für Ställe geschnitzt, junge Frauen nutzten ihn als Liebesorakel und wer zu Johanni Holunderkuchen aß, sprang angeblich am weitesten über das Sonnwendfeuer. „Der Holunder sucht die Nähe des Menschen“, sagt man. In der Tat wächst er am liebsten im Schutze von Scheunen, nah bei den Häusern, an Wiesen- und Waldrändern und entlang von Bahngleisen. Wird ein Haus verlassen, an dem der Holler wächst, so kümmert er – das jedenfalls behaupten manche Pflanzenkundler.


Besonders wirksam sollen die Holunderblüten laut im ?Sechsten und siebenten Buch Mosis gedrucktem ?Magischem Hausschatz sein, wenn sie am Johannistag gepflückt werden

Wenn der Holunder blüht, legen die Hühner weniger Eier.

Wie der Holunder blüht, so blühen auch die Reben.

Wenn der Holler blüht, wird der Boden nicht trocken

Wie der Holunder blüht, Rebe auch und Lieb' erglüht. Blühen baid' im Vollmondschein, gibt's viel Glück und guten Wein.

 

Ringel, Ringel, Reihe,


wir sind der Kinder dreie,
wir sitzen unterm Hollerbusch,
und machen alle husch, husch, husch.
(Alter Kindervers)

Kinder Spiele

 zum früheren Kinderspiel, besonders der Jungen, gehörte es, die Zweige des Hollerbusches als Pfeilspitzen für Pfeil und Bogen auszuhöhlen,  Blasrohre oder Flöten daraus machen,  die unreife Früchte als Blasrohrgeschosse zu benutzen.