Ringelblumen und Ihre Legenden


Volksglauben

Er liebt mich, er liebt mich nicht..., in den jungen Jahren hat wohl jeder einmal dieses selbst gemachte Orakel durchgespielt. Dafür ist die Ringelblume mit ihren schönen großen Blütenblättern genau richtig. Und falls es doch nicht so klappt, so kann man immer noch die gekrümmten Samen, die der Pflanze den Namen geben, in die Fußspuren des Geliebten legen. Denn dadurch, so der Volksglaube, kommt der Geliebte wieder zurück.

Die Ringelblume soll sich auch zur Liebesweissagung im Traum verwenden lassen. Gemeinsam wird sie mit Sommerkräutern getrocknet, gemahlen und mit Honig und Essig zu einer Salbe verarbeitet. Junge Frauen trugen die Salbe auf, bevor sie zu Bett gingen und riefen den Heiligen Lukas an, sie von ihrer großen Liebe träumen zu lassen.


Ob die Ringelblume in der Antike schon als Heilpflanze verwendet wurde, ist nicht eindeutig zu belegen. Im Mittelalter wird sie erstmals von Hildegard von Bingen erwähnt, die sie „Ringele“ nennt und bei Vergiftungen durch üble Speisen helfen soll.

Albertus Magnus (um 1200-1280) berichtet über die Ringelblume: „Ihr Saft hilft bei Verstopfungen der Milz und Leber.“ Adamus Lonicerus (1528-1586) schreibt in seinem Kräuterbuch zur Ringelblume: „Das Pulver von Blumen in Baumwolle gewickelt und auf die Zähn gelegt, stillet derselbigen wütenden Schmerzen.“

 Bei Leonhardt Fuchs, Professor an der Universität in Tübingen kann man in seinem 1542 erschienenen „New Kräuterbuch“ lesen: „Die Blum in die Laug gelegt, macht schön gelb Har.“ Pfarrer Kneipp empfahl sie bei bösartig aussehenden Geschwüren. Und aus den Weltkriegen gibt es Berichte, dass mit Ringelblume schwere Verletzungen hervorragend geheilt wurden.
Für Heilzwecke werden die voll entfalteten Blüten gesammelt. Zur weiteren, häuslichen Verarbeitung werden nur die abgezupften, orangefarbenen Blütenblätter verwendet. Ob man einen wässrigen Aufguss, einen Ölauszug oder eine Salbe bereitet, hängt davon ab, welche Wirkung erzielt werden soll. Der wässrige Aufguss wirkt z.B. analgetisch, antimykotisch, antibakteriell und antiviral. Antiphlogistische Stoffe werden durch einen Alkoholaufguss gelöst, welcher weiter verarbeitet werden kann. Und wer die heilende Wirkung auf die Haut nutzen möchte, der sollte ein Ringelblumenöl oder eine Salbe bevorzugen.

Wem das alles zu viel Aufwand bedeutet, der kann natürlich Ringelblumenprodukte zu Heilzwecken im Reformhaus oder der Apotheke käuflich erwerben. Auch in vielen kosmetischen Produkten zur Schönheitspflege, in Lippenpomaden oder Zahncremes ist Calendula enthalten

.
Seit Jahrhunderten steht die Ringelblume bei Bauern als „Wetterprophet“ in hohem Ansehen, denn sie faltet ihre Blüten zusammen, wenn schlechtes Wetter mit Regen aufzieht.
Bei vielen Völkern wird die Ringelblume als ein Symbol für die Unvergänglichkeit geschätzt, weil sie so langlebig ist und immer wieder neue Blüten bildet. Aus diesem Grund war sie eine beliebte Grabpflanze und trug auch den Namen „Totenblume“.