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Löwenzahn  Mythologie und Legenden

Im Frühling verzaubert der Löwenzahn ganze Wiesen in einen goldenen Teppich und ein paar Wochen später verwandelt er sich in einen zarten Nebel aus fliegenden Früchten, die der Wind zu den fernen blauen Hügeln trägt dieser herrlich eifrig sich vermehrende Verwandte der Zichorie und der Margarite ist allen bekannt denn jeder hat einmal seine Blätter gegessen die gezackt sind wie die Zähne der Afrikanischen Löwen, oder die dicken gelben Blüten gepflückt und seinen seinen bitteren Saft ausgezogen oder seine Samen in alle 4 Himmelsrichtungen geblasen


Am 3. Tag bei abnehmenden Mond gepflückt und am selben Tag den Saft auf eine Warze gestrichen, lässt die Warze verschwinden.
 

Die kleinen Sonnen sind verglüht! In silbernen Laternchen glimmt ihr Licht, bevor es Abschied nimmt, bevor der Wind es verweht und viele, neue Sonnen sät..."

 

Was man so alles mit Löwenzahn machen kann. Schon vor Hunderten von Jahren spielten Kinder gern mit dem Löwenzahn. Kleine Hände zauberten daraus Ketten, Pfeifen und Brillen. Mit keiner anderen Pflanze ließ sich so gut orakeln wie mit dem Löwenzahn: So viele Fallschirme nach dem Pusten übrig bleiben, so viele Kinder sollte man bekommen. Wer es schaffte, alle wegzublasen, war ein Glückskind. Der Blütenboden kündet vom Verbleib im Jenseits: Ist er weiß, kommt man in den Himmel, ist er schwarz, ins Fegefeuer. Wenn sich Samen in den Kleidern verfangen, sind das die Sünden, die man in seinem Leben begehen wird..

Kleine Fallschirme

Die Blüten des Löwenzahns öffnen sich nur bei Sonnenschein. Auf einem Blütenkorb entstehen 200 bis 400 Fallschirme, die sich bei schönem Wetter auf die Reise machen. Bei Wind können sie bis zu zehn Kilometer weit fliegen.

Der Löwenzahn soll Leonardo da Vinci i Ende des 15. Jahrhunderts inspiriert haben den Fallschirm zu erfinden.

Text gibt einen Teil des Inhaltes des Beitrags der Sendung MDR Garten vom 12. Juni 2007 wieder

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Die Geschichte vom Löwenzahn

 Wochenlang hatte der Nordwind übers Meer getobt. Eine dicke Schneedecke verschloss die Erde. Aber über Nacht war der Wind umgeschlagen. Der Westwind unterm Asphalt brachte den warmen Regen mit. Der Schnee begann zu schmelzen. Die Vögel fingen an, ihre ersten Frühlingslieder zu zwitschern. In den langen Löwenzahnwurzeln wurde es lebendig. Sie reckten und streckten sich. Die kleinen Triebe wurden immer länger. Da - am Wegrand streckte der erste grüne Stängel seine Spitzen heraus. "Beeilt euch!" rief er den anderen Trieben zu, "die Sonne scheint schon so warm. Die Erde duftet. Und wie die warmen Regentropfen schmecken! Schnell! Heraus mit euch!" - Die Sonnenstrahlen gaben sich alle Mühe, das Erdreich zu erwärmen. Sie huschten unter die Sträucher, drangen durch die Blattknospen und die Rinden der Bäume und kitzelten die vielen kleinen Mücken und Fliegen wach. Dann sangen sie ihr Sonnenstrahllied: 

Wir kitzeln euch, wir kitzeln euch, wann seid ihr endlich aufgewacht?

Sie ist vorbei, sie ist vorbei, die lange dunkle Winternacht.

Da krabbelten die kleinen Marienkäfer hurtig über die Blätter und öffneten ihre kleinen roten Flügel. Die zarten Libellen surrten vorbei, die Bienen flogen in die ersten Weidenkätzchen. Ameisen krabbelten über die Steine. Sogar die ersten Maikäfer kamen schon angebrummt. Die Löwenzahntriebe am Rande des Asphaltweges wuchsen und wuchsen. Sie streckten schöne, lange und gezackte Blätter hervor, und ihre Knospen wurden dicker und dicker. Die Kinder freuten sich: "Bald können wir einen richtigen Löwenzahnkranz flechten!" riefen sie. Aber viele Triebe waren gefangen unter der harten Asphaltdecke. Im vorigen Jahr war hier noch lockerer Kies gewesen, und die Löwenzahnwurzeln konnten ohne Mühe nach oben wachsen. Aber in diesem Jahr seufzten sie unter der schweren dunklen Decke. "Ich kann kaum noch atmen!" japste ein kleiner weißer Trieb. "Ich glaub', ich muss sterben." - "Ich bin schon ganz zusammengedrückt, macht doch Platz!" beschwerte sich eine lange Löwenzahnwurzel. Die Sonnenstrahlen wurden heißer und heißer. Sie erwärmten den grauen Asphalt auf dem Weg am Wasser entlang.

Wir kitzeln euch, wir kitzeln euch, heraus aus eurem Winterloch,

nun reckt und streckt euch endlich doch!

sangen die Sonnenstrahlen. "Hört auf mit eurem albernen Kitzellied!" riefen die Löwenzahnwurzeln. "Ihr solltet mal in so einem engen Käfig sitzen, dann würde euch auch das Singen vergehen!" - Die Sonnenstrahlen wurden ganz traurig. "Die Menschen sind schrecklich!" sagten sie. "Die ganze schöne Erde müssen sie zupflastern! Wir sagen den Sanddornbüschen Bescheid! Die haben mit ihren Wurzeln ganz gewaltige Kräfte! Die sollen den kleinen Löwenzahnwurzeln helfen. Die Sanddornbüsche nickten eifrig mit ihren Stachelzweigen. Sie trieben zu beiden Seiten des Weges lange Wurzeln unter den Asphalt. Sie reckten und dehnten sich nach oben, sie rückten und schoben Tag für Tag. Sie gönnten sich keine Ruhe, sogar in der Nacht wenn der Mond über das Wasser kroch, waren sie eifrig bei der Arbeit.

Der Mond brummte: die ganze lange Frühlingsnacht? Wer reckt und streckt sich da mit Macht?

Aber da war schon im silbernen Mondlicht der erste kleine Buckel über dem Asphalt zu erkennen. "Schnell! Schnell!" riefen die Sanddornwurzeln. "Wenn wir uns nicht beeilen, ersticken alle kleinen Löwenzahnpflanzen in der Tiefe!" Als der Morgen kam, waren viele Spalten und Risse auf dem Asphalt zu sehen. Die Sonnenstrahlen riefen fröhlich:

Wir kitzeln euch, wir kitzeln euch in eurem dunklen Erdenhaus.

Der Weg ist frei, der Weg ist frei, nun streckt die grünen Köpfchen raus!

Und überall reckten sich die grünen Triebe in die Höhe. Die Spaziergänger freuten sich. "Solche Mühe soll belohnt werden!" sagten sie. Und sie machten vorsichtig einen Bogen um die ersten grünen Pflänzchen. So kam es, dass nach einiger Zeit der graue Asphaltweg übersät war mit den gelben Tupfen der Löwenzahnblüten und etwas später mit vielen silbrigen Schirmchen. Die Sonnenstrahlen riefen:

Nun segelt in die Welt hinaus, fliegt über Tal und Hügel fort.

Im nächsten Jahr, im nächsten Jahr, grünt ihr an einem andern Ort.

Im Frühjahr waren überall die gelben Löwenzahngesichter zu finden: An der steinigen Mauer, an den Rändern der Feldwege, im Betonpflaster der Großstädte. Wenn man genau hinhörte, konnte man die Sonnenstrahlen flüstern hören:

Löwenzahn, Löwenzahn, steck die tausend Lichter an!

Auf der Wiese, vor dem Haus, euer Licht, das geht nicht aus.

Spielvorschlag:

Diese Geschichte kann gut als Klang- und Bewegungsspiel gestaltet werden. Das Recken und Strecken der Löwenzahnwurzeln kann mit dem Xylophon (Glissando) nachgeahmt werden. Die Kinder im Sitzkreis recken und strecken sich mit dem ganzen Körper. Wenn der erste grüne Stängel seine Spitzen hervorstreckt, ertönt das Glockenspiel. Mehrere Kinder laufen als Sonnenstrahlen im Sitzkreis herum und kitzeln die kleinen Mücken und Käfer. Diese fangen an, herumzukrabbeln. Dazu können Töne vom Xylophon oder von den Klangstäben angeschlagen werden. Das kraftvolle Wachsen der Sanddornwurzeln kann von Trommel und Paukenschlägen begleitet werden. Die Kinder, die die Sanddornwurzeln spielen, strecken und recken sich ganz besonders kräftig; sie können dabei auf Bänke und Stühle klettern.

Aus: Barbara Cratzius, Uns gefällt die Frühlingszeit, © Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1995.

 

Verblühter Löwenzahn

Wunderbar

stand er da im Silberhaar.

Aber eine Dame,

Annette war ihr Name,

machte ihre Backen dick,

machte ihre Lippen spitz,

blies einmal, blies mit Macht,

blies ihm fort die ganze Pracht.

Und er blieb am Platze

zurück mit einer Glatze.

©Josef Guggenmos