Was war der Stern von Bethlehem ?

Im 2. Kapitel des Matthäus-Evangeliums im Neuen Testament ist von einem Stern die Rede, der den Sterndeutern den Weg nach Bethlehem wies. Verbirgt sich hinter dieser Beschreibung ein astronomisch erklärbares Ereignis oder ist es nur eine Fiktion? Diese Frage beschäftigt Astronomen und andere schon seit vielen Jahrhunderten.


Niemand weiß genau, wann der historische Jesus von Nazareth genau geboren ist. Auch wenn die heutige Zeitrechnung auf einer klaren Trennung zwischen "vor Christi Geburt" und "nach Christi Geburt" basiert, ist die Zeitenwende relativ willkürlich festgesetzt worden - und höchstwahrscheinlich nicht auf das Jahr der wirklichen Geburt des Jesus von Nazareth.

Denn der von den Römern eingesetzte König Herodes, der in der biblischen Erzählung als machthungriger Kindsmörder eine so wichtige Rolle spielt, ist bereits im Jahr vier vor unserer Zeitrechnung gestorben. Und der Statthalter Quirinius, wegen dessen Volkszählung Joseph und Maria von Nazareth nach Bethlehem ziehen müssen, regierte um 12 vor Christus. Historiker gehen deshalb heute davon aus, dass Jesus eigentlich nur zwischen acht und vier Jahren vor unserer Zeitrechnung geboren worden sein kann - und keineswegs im Jahre "Null".

Auch wenn damit die Frage nach dem Zeitpunkt wenigstens in etwa feststeht, bleibt immer noch die Frage nach dem Stern selbst. Um jedoch herauszufinden, welches astronomische Ereignis dafür in Frage kommt, braucht es fast schon detektivischen Scharfsinn. Aus einem Puzzle von einzelnen Indizien versuchen die Astronomen daher zunächst die Eigenschaften des "Sterns" rekonstruieren.


Hinweis eins: Den Angaben der Bibel zufolge war der "Stern von Bethlehem" nicht nur in Israel selbst, sondern auch in Babylon, der Heimat der drei Weisen, sichtbar.
Hinweis zwei: Das Ereignis war offenbar sowohl auffällig als auch selten genug, um den erfahrenen babylonischen Astronomen als etwas Besonderes zu erscheinen.
Hinweis drei: Die Leuchterscheinung muss länger zu sehen gewesen sein, da die drei Weisen laut Bibel sie sowohl bei ihrem Aufbruch in Babylon als auch bei ihrer Ankunft in Bethlehem beobachteten.
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und die Lösung? Erklärungsversuche gibt es mindestens ebenso viele, wie es Indizien gibt. Edmond Halley, der Entdecker des gleichnamigen Kometen, vermutete beispielsweise, dass der Stern von Bethlehem ein Komet gewesen sei. Aufzeichnungen von chinesischen Astronomen scheinen das zu bestätigen, haben aber einen entscheidenden Schönheitsfehler: Der fragliche Komet wurde im Jahr 12 vor unserer Zeit beobachtet, liegt also einige Jahre vor dem wahrscheinlichsten Geburtstermin.

Ein anderer Kandidat für die Rolle des "Weihnachtssterns" ist eine Supernova - die gleißendhelle Explosion eines Sterns. Allerdings hat man bisher keine Hinweise darauf gefunden, dass zu der fraglichen Zeit eine solche Sternenexplosion tatsächlich stattgefunden hat.

Die Mehrheit der Astronomen favorisiert jedoch eine andere Erklärung: eine Dreier-Konjunktion der beiden Planeten Jupiter und Saturn. Dabei kommen sich die beiden Planeten nicht nur einmal, sondern dreimal kurz hintereinander so nahe, dass sie für einen Beobachter zu einem hellen Lichtpunkt zu verschmelzen scheinen.

Eine solche "Dreierbegegnung" ist extrem selten, zwischen der letzten im Jahr 1981 und der nächsten 2238 liegen immerhin knapp 250 Jahre. Gestützt wird diese Theorie durch eine sensationelle archäologische Entdeckung: Auf einer in Babylon ausgegrabenen Tontafel entdeckten Forscher eine in Keilschrift festgehaltene Vorausberechnung babylonischer Astronomen für genau diese Dreifach-Konjunktion.

Und noch ein weiterer Faktor könnte diese Lösungsvariante wahrscheinlich machen: Für die Astronomen der damaligen Zeit war nicht nur die Erscheinung selbst wichtig, sondern vor allem auch seine schicksalhafte Bedeutung.

 Im Himmel und seinen Phänomenen sahen sie ein Abbild und Vorbild des irdischen Geschehens. Und passenderweise stand ausgerechnet der Jupiter für Marduk, den höchsten Gott Babyloniens, und der Saturn für Kajmanu, den König Israels.

 



Was lag daher für die Babylonier näher, als in einer Konjunktion der beiden eine Aufforderung zu einem Besuch bei einem "neuen König Israels" zu sehen? Wenn das Szenario stimmt - und es die "drei Weisen überhaupt gab - könnten sie bei der ersten Konjunktion ihren König informiert haben, mit der Zweiten aufgebrochen sein und rechtzeitig zur dritten am 12. November des siebten Jahres Bethlehem erreicht haben...