Zum Jahreswechsel scheinen wir eine abergläubische Seite in uns zu entdecken, die nicht mehr so richtig in unsere Zeit passen will. Trotzdem hoffen die Menschen bei der Verabschiedung des alten Jahres und der Begrüßung des neuen seit jeher, mit Glückwünschen, Glücksbringern und Orakeln die Zukunft beeinflussen zu können.

angefangen mit dem Schießen und Knallen gegen Geister

Das Schießen, Knallen und Lärmen am Jahresende ist in seiner Bedeutung einfach zu erklären: der Lärm sollte die bösen Geister vertreiben, die die Menschen im neuen Jahr bedrohen und schädigen könnten. Dieser Aberglaube geht bis in früheste Urzeiten zurück. Und er findet heute noch seine Fortsetzung, nicht nur in abgelegenen (Ur)-Wäldern Afrikas, wo die Eingeborenen ebenfalls versuchen, der bösen Geister durch Lärm und Tam-Tam Herr zu werden.

Seit langer Zeit wünscht man sich "Prosit Neujahr!" und einen "Guten Rutsch!". Das Wort "prosit" ist lateinisch und bedeutet "es möge gelingen". Die Formulierung "guter Rutsch" wird oft als Wunsch nach einem angenehmen Hinübergleiten ins neue Jahr verstanden. Mit Rutschen hat dies jedoch nichts zu tun. Vielmehr leitet sich das Wort von dem jüdischen Begriff "Rosch" ab und meint Kopf oder Anfang. Das jüdische Neujahr heißt "Rosch Hashana" (Jahresbeginn).

 

Als Glückssymbole gelten je nach Kulturkreis und Traditionen unterschiedliche Dinge, die meistens nicht alltäglich sind Neben dem alljährlichen Fassen guter Vorsätze ist es uns auch heute noch ein Bedürfnis, an diesem Tag mehr über die eigene Zukunft wissen zu wollen. Blei- oder Wachsgießen gehört in vielen Ländern zu den beliebtesten Orakelbräuchen: Aus den entstandenen Figuren soll man die Zukunft ablesen können.

In der Silvester-Nacht
wird das Blei zum Schmelzen gebracht.
Es wird gekippt in Wasser, kalt und klar;
rate, was stellen die Figuren dar?
Schau sie an, so wie sie sind;
rätst die Gestalt du nicht geschwind.
Halt sie hinters Licht,
das Schattenbild dir mehr verspricht.
Kommt es dir nicht in den Sinn,
schau auf dieses Büchlein hin.
Es sagt dir frank und frei,
so allerlei...!

Ähren bedeuten:  Deine Wünsche werden erfüllt
Apfel: Dein Vertrauen wird missbraucht
Baum:  Wachstum Deiner Fähigkeiten
Blumen: Neue Freundschaften entwickeln sich / Die Freude ist auf deiner Seite.
Käfer: Du bist bescheiden.
Klee: Zufriedenheit und Glück.
Palme  Du tätigst eine weite Reise.
Schmetterling  Dein Glück ist unbeständig.
Vogel  Das Hoffen hat sich gelohnt.
Weinstock  Ist da ein Baby im Anmarsch?
Zaun: Kläre du ein Missverständnis 

 Auch das willkürliche Aufschlagen der Bibel ist vielerorts beliebt. .

Genaueres über die Zukunft kann man auch beim Pendeln erfahren. Dreht sich das Pendel auf eine gestellte Frage hin im Uhrzeigersinn, so lautet die Antwort "Ja", dreht es sich in entgegengesetzter Richtung, so lautet die Antwort "Nein", schwingt es nur hin und her, so ist die Antwort ungewiß.

Wer Auskunft über das Wetter im neuen Jahr haben will, befragt das Zwiebelorakel. In zwölf Zwiebelschalen, die für die zwölf Monate stehen, wird Salz gestreut.

Die Wetterlage eines Monats wird danach interpretiert, ob das Salz in der jeweiligen Schale trocken oder nass wird.

Wie es mit der Liebe im neuen Jahr bestellt ist, kann man herausfinden, indem man einen Schuh rückwärts über die Schulter wirft. Zeigt die Schuhspitze zur Tür, so steht eine glückliche Beziehung ins Haus.


Mit abergläubischen Vorstellungen sind auch manche kulinarischen Bräuche verbunden. So wurden früher bewußt Reste von Silvesterspeisen bis zum Neujahrsmorgen auf dem Tisch stehengelassen. Sie waren ein Zeichen für Überfluss und Reichtum, die einem das neue Jahr bringen sollte. Speziell Linsensuppe und Erbsensuppe galten einst als Symbol für Reichtum und Segen.


Und wem das Silvester-Orakel nichts Gutes verheißt, der hat die Möglichkeit, an seinem Schicksal noch ein wenig zu drehen. Eine einzige Drehung um die eigene Achse kann bewirken, daß sich ein böses Vorzeichen in ein gutes verwandelt
.


Als besondere Glückssymbole gelten in Deutschland

 

Glückspfennig
Der Glückspfennig ist ein Symbol für Reichtum. Der Glückspfennig wird oftmals als kleinere Ausgabe des goldenen Tauftalers oder des Weihgroschens angesehen, der in früheren Jahrhunderten – in der Hoffnung Hexen zu vertreiben – an die Stalltür genagelt oder stets mitgeführt wurde.
Taler und Pfennige sind eine alte Währung, die heute nicht mehr benutzt werden. Gemäß der alten Volksweisheit "Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert", haben die Glückspfennige ihre Glück bringende Bedeutung bis in die Gegenwart retten können - auch wenn es jetzt an ihrer Stelle Cent gibt. Der Glückspfennig in der Geldbörse soll dafür sorgen, dass das ganze Jahr über genügend Geld vorhanden ist.

       Auch das vierblättrige Kleeblatt galt schon vor Jahrhunderten als Glückssymbol dem auch noch zusätzlich Zauberkräfte zugeschrieben wurden. Wenn es aber seine Wirkung voll entfalten sollte, durfte es nicht mit der Hand, sondern musste mit den Zähnen aus den Blumentöpfchen mit Kleeblättern gepflückt werden.

Legte man das Kleeblatt heimlich in den Schuh einer Person, die man gewinnen wollte, dann musste diese, ob sie wollte oder nicht, immer wieder zu uns kommen. In den Rocksaum einer Ehefrau genäht, brachte es angeblich Kindersegen, einem jungen Mädchen in den Ärmel geheftet, verschaffte es Glück in der Liebe, in die Seiten eines Lehrbuches gelegt, erweckte es sogar Geistesgaben.

Die Frage, warum dem Kleeblatt derartige Kräfte zugemessen wurden, wird in christlichen Begründungen mit der Kreuzesform des Kleeblattes erklärt. Allerdings findet man das Kleeblatt auch schon in der vorchristlichen Ornamentik als Symbol.

       Die Laubblätter der Klee-Arten setzen sich üblicherweise aus drei Blättchen zusammen. Ein vierblättriges Kleeblatt gilt als Glückssymbol. Die Chance, ein solches zu finden, liegen bei 1/100%. Noch viel seltener sind Kleeblätter mit mehr bzw. weniger Blättchen. Der Schweizer Kleeblatt-Sammler Ramon Mayer besaß 1027 Kleeblätter, worunter 1 einblättriges, 5 zweiblättrige, 869 vierblättrige, 147 fünfblättrige, 4 sechsblättrige und ein siebenblättriges waren.

1975 fand ein Amerikaner ein zehnblättriges Kleeblatt. Zwei Amerikaner fanden einst ein vierzehnblättriges Kleeblatt, was Rekord ist. Dies wurde weltweit nur zweimal beobachtet.

Das Kleeblatt ist das Symbol der WAGGGS (Weltpfadfinderinnenorganisation).

 

Ein Hufeisen ist ein U-förmig gebogenes und mit Nagellöchern versehenes Eisen, das Pferden zum Schutz der Hufe an diesen durch Aufnageln befestigt wird. Ein gefundenes Hufeisen gilt als Glücksbringer, wenn es mit der Öffnung nach oben aufgehängt wird (sonst fällt das Glück heraus).

Das Hufeisen als Glückssymbol geht bis auf die Zeit zurück, in der die Pferdehufe erstmals mit Hufeisen versehen wurden. Wurde ein Hufeisen irgendwo gefunden, nahm der Aberglaube an, es sei von einem Pferd des Wilden Heeres, das in Sturmnächten durch die Lüfte brauste, verloren worden und bringe deshalb seinem Finder Glück. Merkwürdigerweise galt aber das Hufeisen auch in den nicht germanischen Ländern als Glückssymbol. Allerorts sollte es gegen Unfälle, Feuersbrünste, Wetterschlag und Krankheiten schützen. Es sollte sogar Mondsüchtige heilen, wenn man ein Hufeisen über das Bett nagelte.

Obwohl viele Historiker glauben, Hufeisen seien eine Erfindung des frühen Mittelalters, so sind doch einige in der Nähe von Neupotz in Deutschland in einem Fluss gefunden worden als Teil einer Beute aus einer römischen Villa. Sie werden auf 294 n. Chr. datiert.

Der Kaminfeger als Glückssymbol ist jüngeren Datums. Der Ursprung dürfte darin zu suchen sein, dass der Kaminfeger in einsamen Bauerngehöften oft buchstäblich heiß herbeigesehnt wurde, wenn der Kamin nicht mehr recht ziehen wollte oder gar verstopft war , denn dann konnte das Essen nicht mehr zubereitet werden und es wurde kalt im Haus. Ein gut brennendes Herdfeuer war früher lebenswichtig für die bäuerliche Familie. Ferner brachte die Reinigung des Schornsteins den Vorteil, dass sich der angestaute Ruß  nicht so schnell entzündete und es zum Häuserbrand kam.

Und der Besen, das Arbeitsgerät des Kaminfegers, war ja zudem ein Requisit der Hexen, die ohnehin an der Jahreswende an den Kreuzwegen auf einsame Wanderer lauerten, um sie zu behexen. Besonders Abergläubige brachen vom Besen des Kaminfegers drei kleine Ruten ab und bewahrten sie auf, weil sie Glück bringen sollten. Dasselbe galt für den Ruß, der an den Kleidern haftete.

Heute bringt es auch Glück, sich an einem Schornsteinfeger zu reiben oder den goldenen Knopf (ersatzweise die Jacke) zu berühren.

        Der Fliegenpilz eine genaue Ableitung dieses sehr beliebten Symbols ist nicht bekannt, Er kommt weder selten vor, noch gilt er als kostbar. Vor allem aber ist er giftig und hat eine tödliche Wirkung. Bei den Germanen galt der Fliegenpilz jedoch als heilig. Möglicherweise hat seine Funktion als Glücksbringer ihren Ursprung in der Tatsache, daß er als Rauschmittel verwendet werden kann.

 

Da hast du aber Schwein gehabt.

       Schon sprichwörtlich ist das Glücksschwein als Glückssymbol. Glücksschweine gibt es aus Holz oder Porzellan, als Marzipanschweine oder in anderer Form. Das Schwein hatte schon in einigen antiken Kulturen wie z. B. im alten Ägypten oder Syrien eine besondere Bedeutung. Es galt als heilig und wurde den Göttern geopfert.

Die Kelten verbanden mit dem Schwein das Jenseits. Daher dienten Schweine bei religiösen Feierlichkeiten als Speise. Von jeher galten zumindest in Europa Schweine als wichtige Fleisch- und Fettlieferanten. Ein Schwein zu haben bedeutete in früherer Zeit, in der ein üppiges Essen nicht zum Alltag gehörte, gut versorgt zu sein.

Wohl auf diesem Hintergrund entstand die Redewendung "Schwein haben" im Sinne von "Glück haben".

Die Wurzeln von Glücksschwein oder Neujahrsschwein könnten aber auch in einem alten Kartenspiel zu finden sein, bei dem das As ein Schwein war.