Wünsche zum neuen Jahr


Für das neue Jahr wünsche ich Dir soviel, wie der Regen Tropfen hat, soviel Liebe wie die Sonne Strahlen hat und soviel Gutes wie der Regenbogen Farben hat!

 

Zeitlauf
             Noch schnell, bevor ein Jahr verrinnt,
zu feiern dieses man beginnt.
Nicht ohne ein sich zu gesteh`n,
man hätt`s beinahe überseh`n.
Weil man es nicht so recht versteht,
dass so ein Jahr so schnell vergeht.
Warum, je älter einer wird,
es immer schneller sich verliert.
Wie wäre doch das Leben schön,
bliebe das Jahr manchmal kurz steh`n.
Da könnte man sich Ruhe gönnen,
anstatt ihm hinterher zu rennen.
Könnt` an Erlebnissen sich freu`n,
anstatt Versäumtes zu bereu`n.
Doch weil man da nichts machen kann,
sieht man das Jahr am Schluss sich an.
Nicht ohne Resümee zu zieh`n
schnell ins Vergangene zu flieh`n.
Zu wenig Zeit gehabt zum Lesen
und viel zu oft im KuK gewesen,
zuviel gegessen und getrunken,
zu lange auf dem Klo gestunken,
zu oft, zu lange ferngeseh`n,
zu faul dann beim Spazierengeh`n,
zu selten Freunde eingeladen,
genügend Zeit gehabt zum Baden,
auch viel zu wenig Sport getrieben,
zu wenig Zeit die Frau zu lieben,
zuviel Zeit im Beruf verbraucht,
natürlich viel zu viel geraucht.
Doch man beschließt, nichts zu bereu`n,
auf`s Jahresende sich zu freu`n,
und lässt in der Silvesternacht,
noch hoch es leben, dass es kracht,
um mit viel „Schwein“ und „Freunde-knutschen“,
ins Neue Jahr hinein zu rutschen,
das man dann wieder übersieht,
weil einem Zeit so leicht entflieht.
Gerold Schodterer

die Hoffnung selbst an die Hand nehmen

So viel von dem was gestern war
soll neu das Jahr euch reichen,
und jeder Schatten der da lag
soll wandeln sich und weichen.

Erwartet doch vom neuen Jahr
nicht mehr als es kann tragen,
wie wär es denn ihr würdet selbst
die neuen Tage wagen.

Dann wäre nicht das neue Jahr
wenn es vergangen schuldig
das alles eben nicht so war
was ihr erhofftet so geduldig.

Ihr selbst müsstet dann eingestehen
wenn anders alles euch erscheint
den eignen Weg so nicht gegangen
wie eure Hoffnung ihn gereimt.

So könnte dann im neuen Jahr
eine Erkenntnis reifen
das jeder Tag von euch erhofft
die Chancen zu ergreifen.

So wünsch ich euch ein neues Jahr
das Grund hat anzunehmen
ihr nehmt die Hoffnung an der Hand
und schenkt ihm etwas Schönes.

Ein schönes und hoffnungsvolles neues Jahr!

Ein bisschen mehr Friede und weniger Streit
Ein bisschen mehr Güte und weniger Neid
Ein bisschen mehr Liebe und weniger Hass
Ein bisschen mehr Wahrheit - das wäre was

Statt so viel Unrast ein bisschen mehr Ruh
Statt immer nur Ich ein bisschen mehr Du
Statt Angst und Hemmung ein bisschen mehr Mut
Und Kraft zum Handeln - das wäre gut

In Trübsal und Dunkel ein bisschen mehr Licht
Kein quälend Verlangen, ein bisschen Verzicht
Und viel mehr Blumen, solange es geht
Nicht erst an Gräbern - da blühn sie zu spät

Ziel sei der Friede des Herzens
Besseres weiß ich nicht

Gedicht zum neuen Jahr aus "Mein Lied" von Peter Rosegger

Ich wünsche dir fürs neue Jahr…

 

Ich wünsche dir fürs neue Jahr

das große Glück in kleinen Dosen.

Das alte läßt sich ohnehin

nicht über Nacht verstoßen.

Was du in ihm begonnen hast

mit Mut und rechter Müh’,

das bleibt dir auch noch Glück und Last

in neuer Szenerie.

Erwarte nicht vom ersten Tag

des neuen Jahres gleich zuviel!

Du weißt nicht, wie er’s treiben mag,

es bleibt beim alten Spiel.

Ob gute Zeit, ob schlechte Zeit,

wie sie von Gott gegeben,

so nimm sie an und steh bereit

und mach daraus dein Leben !

       Elli Michler

Aus: Dir zugedacht, © Don Bosco Verlag, 19.Auflage ,München 2004 

                            www.ellimichler.de

 

 Schicksalsspruch

 Unhemmbar rinnt und reißt der Strom der Zeit,

in dem wir gleich verstreuten Blumen schwimmen,

unhemmbar braust und fegt der Sturm der Zeit,

wir riefen kaum, verweht sind unsre Stimmen.

Ein kurzer Augenaufschlag ist der Mensch,

den ewige Kraft auf ihre Werke tut;

ein Blinzeln – der Geschlechter lange Reihn,

                             ein Blick – des Erdballs Werden und Verglut.

 Christian Morgenstern (1871-1914)

 

 

Am Neujahrstage

Das Auge sinkt, die Sinne wollen scheiden:
"Fahr wohl, du altes Jahr, mit Freud und Leiden!
Der Himmel schenkt ein neues, wenn er will."
So neigt der Mensch sein Haupt an Gottes Güte,
Die alte fällt, es keimt die neue Blüte
Aus Eis und Schnee, die Pflanze Gottes, still.

Die Nacht entflieht, der Schlaf den Augenlidern:
"Willkommen junger Tag mit deinen Brüdern!
Wo bist du denn, du liebes neues Jahr?"
Da steht es in des Morgenlichtes Prangen,
Es hat die ganze Erde rings umfangen,
Und schaut ihm in die Augen ernst und klar.

"Gegrüßt du Menschenherz mit deinen Schwächen,
Du Herz voll Kraft und Reue und Gebrechen,
Ich bringe neue Prüfungszeit vom Herrn!" -
"Gegrüßt du neues Jahr mit deinen Freuden,
Das Leben ist so süß, und wären's Leiden,
Ach, alles nimmt man mit dem Leben gern!"

"O Menschenherz, wie ist dein Haus zerfallen!
Wie magst du doch, du Erbe jener Hallen,
Wie magst du wohnen in so wüstem Graus!«
"O neues Jahr, ich bin ja nie daheime!
Ein Wandersmann durchzieh' ich ferne Räume,
Es heißt wohl so, es ist doch nicht mein Haus."

"O Menschenherz, was hast du denn zu treiben,
Daß du nicht kannst in deiner Heimat bleiben
Und halten sie bereit für deinen Herrn?"
"O neues Jahr, du mußt noch viel erfahren;
Kennst du nicht Krieg und Seuchen und Gefahren?
Und meine liebsten Sorgen wohnen fern."

"O Menschenherz, kannst du denn alles zwingen?
Muß dir der Himmel Tau und Regen bringen?
Und öffnet sich die Erde deinem Wort?" -
"Ach nein! ich kann nur sehn und mich betrüben,
Es ist noch leider nach wie vor geblieben
Und geht die angewies'nen Wege fort."

"O tückisch Herz, du willst es nur nicht sagen,
Die Welt hat ihre Zelte aufgeschlagen,
Drin labt sie dich mit ihrem Taumelwein."
"Der bittre Becher mag mich nicht erfreuen,
Sein Schaum heißt Sünde und sein Trank Gereuen,
Zudem läßt mich die Sorge nie allein."

"Hör' an, o Herz, ich will es dir verkünden,
Willst du den Pfeil in seinem Fluge binden?
Du siehst sein Ziel nicht, hat er darum keins?" -
"Ich weiß es wohl, uns ist ein Tag bereitet,
Da wird es klar, wie alles wohl geleitet,
Und all die tausend Ziele dennoch eins."

O Herz, du bist von Torheit ganz befangen!
Dies alles weißt du, und dir kann noch bangen!
O böser Diener, treulos aller Pflicht!
Ein jeglich Ding füllt seinen Platz mit Ehren,
Geht seinen Weg und läßt sich nimmer stören,
Dein Gleichnis gibt es auf der Erde nicht!

Du hast den Frieden freventlich vertrieben!
Doch Gottes Gnad' ist grundlos wie sein Lieben,
O kehre heim in dein verödet Haus!
Kehr' heim in deine dunkle wüste Zelle,
Und wasche sie mit deinen Tränen helle
Und lüfte sie mit deinen Seufzern aus!

Und willst du treu die Blicke aufwärts wenden,
So wird der Herr sein heilig Bild dir senden,
Daß du es hegst in Glauben und Vertraun,
Dann darf ich einst an deinem Kranze winden,
Und sollte dich das neue Jahr noch finden,
So mög' es in ein Gotteshäuslein schaun!

Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848)

Jahreswechsel

Wenn hoch vom Turm die Glocken klingen,
In mitternächtlich ernster Stund'
Des Jahres Scheidegruß zu bringen:
Dann lauschen wir, als werd' uns kund,
Was nun der neue Lauf der Horen
Uns Erdenpilgern bieten mag -
Das Jahr ward neuverjüngt geboren
Und festlich grüßt sein erster Tag.

Doch ist vergeblich alles Fragen,
Die Antwort lautet immer gleich:
Propheten sind aus unsern Tagen
Verbannt ins dunkle Sagenreich.
Kein Blick darf in die Werkstatt schweifen,
In der des Menschen Los sich webt,
Kein Arm in das Getriebe greifen,
Das Schicksals-Fäden senkt und hebt!

Das mußten alle wir erfahren
In unsrer Lieben engem Kreis -
Gebrochen müssen wir gewahren
Manch hoffnungsgrüne frisches Reis,
Und wo wir's ahnend kaum vermutet,
Da kam uns Rettung aus der Not,
Indessen dort ein Herz verblutet
Weil ihm sein Liebstes nahm der Tod!

Nur eitel ist das ird'sche Hoffen
Das sich an äußre Zeichen hält,
Ist nicht in uns ein Himmel offen,
Von dem kein Stern herunterfällt.
Wie sehr auch Sturm und Donner wettert
Und frische Hoffnungssaat zerschlägt
Und alle Rosen uns entblättert,
Wie Staub in alle Winde trägt.

Ein Himmel, den wir sicher schauen,
Wenn sich der Blick nur aufwärts hebt,
Ein Himmel, den wir selber bauen,
Wenn wir zum höchsten Ziel gestrebt,
Ein Himmel, draus seit Ewigkeiten
Zu uns die Schöpfungsformel spricht,
Die heiligste für alle Zeiten
Kein Chaos mehr! - es werde Licht!

Kein Chaos mehr - in unserm Leben,
Kein Chaos mehr im Vaterland!
Es werde Licht, - dies unser Streben,
Die Waffe dies in unsrer Hand
Des Gottesfunkens treue Wächter
An heil'ger Freiheit Hochaltar,
Und Feinde aller Lichtverächter:
So grüßen wir das neue Jahr.

Gedicht zum neuen Jahr von Louise Otto (1819- 1895)