am Tag vor Nikolaus

Nur noch einmal wird es dunkel,
nur noch einmal wird es Nacht.
Wird es wieder Abend werden,
hat Knecht Ruprecht was gebracht.

Aus dem Walde wird er kommen,
wo verschneite Tannen stehn,
und sechs grosse zahme Hirsche
sind vor dem Gefährt zu sehn.


Glocken klingen, und der Schlitten
ist bis obenhin bepackt.
Ach, was hat der gute Alte
für die Kinder eingesackt!

Äpfel, Nüsse und Rosinen,
Kuchen, Kekse, Marzipan,
Engelshaar und Mandarinen,
Hampelmann und Eisenbahn.

Weisst du noch vom letzten Jahre,
als der Tannenbaum gebrannt,
wie es war, als lang erwartet
in der Tür Knecht Ruprecht stand?

Nur noch einmal wird es dunkel,
nur noch einmal wird es Nacht.
Wird es wieder Abend werden,
hat Knecht Ruprecht was gebracht.

Du Niko mit langem Bart
Du machst ein ernst Gesicht
Es ist ja schon so Deine Art
Drum fürchten wir uns nicht.

Du warst gewiss auch einmal klein
Ist freilich lang schon her.
Da weißt Du doch, stets brav zu sein,
Ist doch ein bisschen schwer!

Da ist viel lieb und Sonnenschein
Drum bitte gib uns Deinen Segen.
Der uns begleiten soll auf allen unseren Wegen.

Du guter Nikolaus,
komm in unser Haus,
triffst ein Kindlein an,

das ein Sprüchlein kann
und schön folgen will!
Halte bei uns still,
schütt dein Säckchen aus,
guter Nikolaus.
Ach, du lieber Nikolaus;
komm doch einmal in mein Haus!
Hab so lang an dich gedacht.
Hast mir auch was mitgebracht?

 

 

Holler boller Rumpelsack,
Niklaus trug sie huckepack,
Weihnachtsnüsse gelb und braun,
runzlig punzlig anzuschaun.
knackt die Schale springt der Kern,
Weihnachtsnüsse ess ich gern.
komm bald wieder in dies Haus,
guter alter Nikolaus

 

von drauß´, vom Walde komm´ ich her;
Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr.
Allüberall auf den Tannenspitzen
sah ich goldene Lichtlein blitzen.
Und droben aus dem Himmelstor
sah mit großen Augen das Christkind hervor.
Und wie ich so strolcht´ durch den finstern Tann,
da rief´s mich mit heller Stimme an :

"Knecht Ruprecht", rief es, "alter Gesell,
hebe die Beine und spute dich schnell !

Die Kerzen fangen zu brennen an,
das Himmelstor ist aufgetan,
Alte und Junge sollen nun
von der Jagd des Lebens einmal ruhn :
und morgen flieg´ ich hinab zur Erden,
denn es soll wieder Weihnachten werden !"
 

Ich sprach : "O lieber Herre Christ,
meine Reise bald zu Ende ist.
Ich soll nur noch in diese Stadt,

wo´s eitel gute Kinder hat"

Hast denn das Säcklein auch bei dir ?"
Ich sprach : "Das Säcklein, das ist hier;
denn Äpfel, Nuß und Mandelkern
fressen fromme Kinder gern."

"Hast denn die Rute auch bei dir ?"
Ich sprach : "Die Rute, die ist hier;
doch für die Kinder, nur die schlechten,
die trifft sie auf den Teil, den rechten."


Christkindlein sprach : "So ist es recht,
so geh mit Gott mein treuer Knecht."
Von drauß, vom Walde komm´ ich her;
ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr.
Nun sprecht, wie ich`s  hierinnen find !

Sind`s gute Kind, sind´s böse Kind ?

Nikolaus, ich wart schon lange!
Bring mir eine Zuckerstange.
Zuckerstangen schmecken fein!
Bring von Marzipan ein Schwein.
Bring mir eine Spielzeugkuh,
bring mir ein paar neue Schuh,
bring auch eine Eisenbahn,
einen Honigkuchenmann,
Äpfel, Kringel und Korinthen,
Schokolade, Keks und Printen,
einen Teddy, weich und braun,
Christbaumschmuck, hübsch anzuschaun,
eine Puppe, die was spricht.
Aber eine Rute nicht!