Mistel

die Mistel

Kennst Du Geißkraut, Bocksfutter, Nistel, Wintergrün, Hexenkraut und -besen, oder Donnerkraut und Donnerbesen ? Bestimmt! Es handelt sich um die Mistel. Die immergrüne Pflanze erschien schon unseren Vorfahren geheimnisvoll. Sie wächst hoch oben in den Bäumen, scheinbar losgelöst von Himmel und Erde und streckt ihre Zweige kugelförmig und gleichmäßig in alle Richtungen und trägt im Winter weiße, zart schimmernde Beeren.

Es gibt viele Legenden und Mythen um die Mistel. Schon in der griechischen Mythologie wurde sie erwähnt.

Der Mistel wurden übersinnliche Kräfte zugeschrieben.

Mit ihrer Hilfe konnten die Helden der griechischen Mythologie die Pforten des Hades überschreiten, auch als Mittel gegen Gift wurde die Mistel gebraucht

Andere Völker glaubten, sie könne Schlösser aufbrechen und vor Feuer und Krankheiten schützen. Männer und Frauen trugen Armbänder, an denen aus Mistelholz geschnitzte Amulette klapperten.

Den keltischen Priestern galt sie als heilige Pflanze als dann die Priester an Macht gewannen, wurde der Mistelzweig zum Symbol von Mut, Gesundheit, Fruchtbarkeit und Glück.

Auch für die Druiden, die Hohenpriester in Gallien und Britannien, war die Mistel die heiligste aller Pflanzen. Sie wurde als ein Zeichen der Götter angesehen. Asterix und Obelix wurden durch die Mistel als Zutat zum Zaubertrank des Druiden Miraculix unbesiegbar.

Deshalb wurde die Mistel von den Druiden auch nur im Rahmen von Gottesdiensten mit einer goldenen Sichel geerntet und mit einem weißen Tuch aufgefangen. Dabei wurde darauf geachtet, dass diese nicht mit dem Boden in Berührung kam. Die Mistel war für alle erdenklichen Gesundheitsbelange unverzichtbarer Bestandteil eines "Zaubertrankes".

Über der Haustür angebracht, schützte die Mistel außerdem gegen böse Geister. Auch heute noch gilt ein an Weihnachten an den Türstock gebundener Mistelzweig als Glücksbringer für das bevorstehende Jahr.

 

Im Schweizer Kanton Aargau wurden sie mit Pfeil und Bogen heruntergeschossen. Wer sie mit der linken Hand auffing, besaß ein Allheilmittel gegen Kinderkrankheiten.

Auch in Holstein galt die Mistel als Glücksbringer. Ein Mistelzweig am Jagdhut verhalf mit Sicherheit zu reicher Beute.

Die Bauern schmückten jede Kuh, die als erste im neuen Jahr kalbte, mit Mistelzweigen, streuten die Beeren aufs Heu und mischten sie zur Saatzeit unter die Hirse und anderes Getreide.

Die Männer trugen ein Mistelzweiglein im Rockaufschlag und schnitzten die Griffe ihrer Taschenmesser aus Mistelholz. Frauen, die vergeblich auf Kindersegen hofften, banden sich einen Zweig um den Hals oder legten ihn unters Kopfkissen.

Es gibt verschiedene Arten der Mistel. Die eine gedeiht nur auf Laubholz, eine weitere nur auf Tannen und eine dritte Art nur auf Kiefern und Fichten.

Aber nur die Laubholzmistel weist weiße Beeren und weißen Samen auf. Die Beeren enthalten einen klebrigen kautschukartigen Schleim, der am Schnabel der Vögel (Misteldrosseln) haften bleibt. Um den klebrigen Stoff vom Schnabel von entfernen, wetzen sie diesen an Ästen. Dabei wird die Rinde verletzt und der Samen bleibt, quasi an der vorbereiteten Stelle, haften und fängt an zu keimen. Das Schmarotzertum der Mistel besteht darin, dass Senkerwurzeln in das Holz getrieben werden und so die Nährstoffversorgung erfolgt. Sie zählt zu den Epiphyten, das sind Pflanzen, die auf anderen Pflanzen wachsen.

Der medizinische Gebrauch des Mistelstrauches und seiner Früchte geht bis in die Antike zurück. Die Pflanze galt als blutstillend und sollte die Geburt erleichtern, war aber auch Mittel gegen angezauberte Krankheiten wie Depression, Epilepsie Veitstanz , Hysterie. und Schwindelanfälle eingesetzt.

Sebastian Kneipp pries ihre Wirkung gegen Fallsucht.

Die moderne Arzneimittelforschung erbrachte den Beweis, dass Mistelextrakte bei erhöhtem Blutdruck eine normalisierende Wirkung ausüben, die Herztätigkeit stabilisieren, der Arterienverkalkung vorbeugen und bei rheumatischen Erkrankungen Linderung bringen.

Neuerdings werden Wirkstoffe aus Misteln auch in der Krebstherapie mit Erfolg eingesetzt.