Totengedenken


 

 

 

 

 

 

 

 

Im November gibt es einige Tage zum Thema Tod    Allerheiligen ,Allerseelen ,

 VolkstrauertagBuß - und Bettag , und nicht zuletzt auch der Totensonntag

und darum möchte auch ich hier diese Tage mit Gedichten und einer Geschichte mit einbeziehen

Allerseelen
Die Männlein, Weiblein, traurige Gesellen,
Sie streuen heute Blumen blau und rot
Auf ihre Grüfte, die sich zag erhellen.
Sie tun wie arme Puppen vor dem Tod.
O! wie sie hier voll Angst und Demut scheinen,
Wie Schatten hinter schwarzen Büschen stehn.
Im Herbstwind klagt der Ungebornen Weinen,
Auch sieht man Lichter in die Irre gehn.
Das Seufzen Liebender haucht in Gezweigen
Und dort verwest die Mutter mit dem Kind.
Unwirklich scheinet der Lebendigen Reigen
Und wunderlich zerstreut im Abendwind.
Ihr Leben ist so wirr, voll trüber Plagen.
Erbarm' dich Gott der Frauen Höll' und Qual,
Und dieser hoffnungslosen Todesklagen.
Einsame wandeln still im Sternensaal.
(Georg Trakl)

Stell' auf den Tisch die duftenden Reseden,
Die letzten roten Astern trag herbei
Und lass uns wieder von der Liebe reden, 
Wie einst im Mai.
Gib mir die Hand, dass ich sie heimlich drücke, 
Und wenn man's sieht, mir ist es einerlei; 
Gib mir nur einen deiner süssen Blicke,
Wie einst im Mai.
Es blüht und funkelt heut auf jedem Grabe,
Ein Tag im Jahre ist den Toten frei;
Komm an mein Herz, dass ich dich wieder habe,
Wie einst im Mai.
(Hermann von Gilm)

 

Der letzte Tag

von Annegret Kronenberg

An dem Tag,

dem keine Nacht mehr folgte,

die Vögel vor deinem Fester

ihr allerschönstes Lied sangen,

der Morgentau wie Tränen

auf den Blüten lag,

schlossest du still deine Augen

und hauchtest ganz leise

dein Leben aus.

 

Der Wind

Es weht der Wind ein Blatt vom Baum,
von vielen Blättern eines.
Das eine Blatt, man merkt es kaum,
denn eines ist ja keines.
Doch dieses kleine Blatt allein,
war Teil von unserem Leben.
Darum wird dieses eine Blatt
uns immer wieder fehlen


 

Ein Herz schlägt länger als du denkst,
auch wenn es schon gestorben,
wenn du an ihm besonders hängst,
schlägt es dir immer heut und morgen

Noch immer treffe ich dich Nacht für Nacht,
Zeit heilt Wunden, haben alle gedacht.
Noch immer hängt mein Herz an dir,
doch bist du schon lange nicht mehr hier.
Blumen sind die einzigen Geschenke an dich,
und ich frage mich
was du wohl tust, wo du wohl bist,
ob du auch weißt, wer dich vermisst.
Ein Jahr ist bald vergangen,
in mir ist immer noch Verlangen,
dich zu küssen, dich ein letztes Mal zu sehen,
warum mußtest du gehen?
Ein leises Rauschen verweht die Zeit,
es ist das Leben, das mich voran treibt.
Erinnerungen, so nah und doch verschwommen.
Wie gestern scheint dein letzter Kuss,
ich höre noch den Abschiedsgruss.
In Gedanken bleibst du stets in mir,
und irgendwann bin ich bei dir...

(Julia)
(Danke an Julia)

 

Du kamst - Du gingst, mit leiser Spur,
ein flüch´ger Gast im Erdenland.
Woher? Wohin? Wir wissen nur,
aus Gottes Hand - in Gottes Hand.

 

Mit leisen Schritten kehrt die Seele
vom Suchen müd' zum Heimathaus
und löscht, dass sie kein Glanz mehr quäle,
still aller Sehnsucht Lichter aus.

 

O bleib treu den Toten,
die lebend du betrübt,
o bleib treu den Toten,
die lebend dich geliebt!

Sie starben, doch sie blieben
auf Erden wesenlos,
bis allen ihren Lieben
der Tod die Augen schloß.

Indessen du dich herzlich
in Lebenslust versenkst,
wie sehnen sie sich schmerzlich,
dass ihrer du gedenkst!

Sie nahen dir in Liebe,
allein du fühlst es nicht;
sie schauen dich an so trübe,
du aber siehst es nicht.

Die Brücke ist zerfallen;
nun mühen sie sich bang,
ein liebes Wort zu lallen,
das nie hinüberdrang.

In ihren Schattenleben
quält eins sie gar zu sehr.
Ihr Herz will dir Vergeben,
ihr Mund vermag's nicht mehr.

O bleibe treu den Toten,
die lebend du betrübt;
o bleibe treu den Toten,
die lebend du geliebt.

Mein süßes Lieb, wenn du im Grab,
 Im dunkeln Grab wirst liegen,
 Dann will ich steigen zur dir hinab,
 Und will mich an dich schmiegen.
  
Ich küsse, umschlinge und presse dich wild,
 Du Stille, du Kalte, du Bleiche!
 Ich jauchze, ich zittre, ich weine mild,
 Ich werde selber zur Leiche.
  
 Die Toten stehn auf, die Mitternacht ruft,
 Sie tanzen im luftigen Schwarme;
 Wir beide bleiben in der Gruft,

 Ich liege in deinem Arme.
  
 Die Toten stehn auf, der Tag des Gerichts
 Ruft sie zu Qual und Vergnügen;
Wir beide bekümmern uns um nichts,
 Und bleiben umschlungen liegen

Heine, Heinrich (1797-1856)

Die letzte Ruhestätte

Wo wird Einst des Wandermühen
letzte Ruhestätte sein?
Unter Palmen in dem Süden?
Unter Linden an dem Rhein?

Werd ich wo in einer Wüste
eingescharrt von fremder Hand?
Oder ruh ich an der Küste
eines Meeres in dem Sand?

Immerhin! Mich wird umgeben
Gotteshimmel, dort wie hier,
und als Totenlampen schweben
nachts die Sterne über mir.

(Heinrich Heine)

  

 

Wie ich mir mein Grab wünsche

Ihr Grotten, Quellen ihr,
Die aus dem Felsrevier
Hinstürzet unverwandt,
Ein gleitend Band,

Ihr Wälder, Bachgerinn
Durch grüne Wiesen hin,
Ihr Ufer, Haine dort,
Vernehmt mein Wort.

Will es die Schicksalsstund,
Dass ich nun geh zugrund,
Und wird genommen mir
Was schön war hier,

Soll nimmermehr es sein,
dass man aus Marmorstein
voll übertriebner Pracht
Ein Grab nur macht.

Ein Baum soll mich allein
Beschatten statt dem Stein ,
Mit seiner Blätter Kleid,
Grün alle Zeit

Ronsard, Pierre de (1525-1585)

(übertragen von Max Rieple)

 

 

Der Schnitter

von Annegret Kronenberg

 

Was du in Jahr und Tage

geschaffen und gesät,

das hat mit einem Schlage

der Tod dir abgemäht.

Er stellt in deinem Leben

dir immer Fallen auf.

Tappst du auch lang daneben,

einmal da tritt's du drauf.

Er fackelt gar nicht lange,

versetzt dir einen Hieb

und trennt dich ohne Bange,

von allem, was dir lieb.

Kost' froh in deinem Leben,

was Gott dir hat beschert.

Der Tod mit ein paar Schlägen

hat alles schnell zerstört.

Er kommt zu einer Stunde,

ganz plötzlich, unbedacht,

holt dich aus froher Runde,

wenn Sonne dir grad' lacht.

Mit seiner Sense mäht er,

was wächst und blüht so rot.

Nur ganz zufrieden ist er,

wenn blass du liegst und tot.

Du magst nicht seine Spiele,

das ist bestimmt auch klar,

doch denk', dass er für viele

auch der Erlöser war.

Sei ihm nicht gar so böse,

wenn er einst steht vor dir,

vielleicht sagt du: "Erlöse

mich von dem Leiden hier".



Das Tränenkrüglein


Es waren einmal eine Mutter und ein Kind, und die Mutter hatte das Kind, ihr einziges,
lieb von ganzem Herzen und konnte ohne das Kind nicht leben und nicht sein.
Aber da sandte der Herr eine große Krankheit, die wütete unter den Kindern und erfasste auch jenes Kind, dass es auf sein Lager sank und zum Tod erkrankte. Drei Tage und drei Nächte wachte, weinte und betete die Mutter, die nun allein war auf der ganzen Gotteserde, ein gewaltiger und namenloser Schmerz, und sie aß nicht und trank nicht und weinte, weinte wieder drei Tage lang und drei Nächte lang ohne Aufhören und rief nach ihrem Kinde.

Wie sie nun so vollen tiefen Leides in der dritten Nacht saß, an der Stelle , wo Ihr Kind gestorben war,  tränenmüde und schmerzensmatt bis zur Ohnmacht, da ging leise die Türe auf, und die Mutter schrak zusammen, denn vor ihr stand ihr gestorbenes Kind. Das war ein seliges Engelein geworden und lächelte süß wie die Unschuld und schön wie in Verklärung. Es trug aber in seinen Händchen ein Krüglein, das war schier übervoll. 

Und das Kind sprach: "0 lieb Mütterlein, weine nicht mehr um mich! Siehe, in diesem Krüglein sind deine Tränen, die du um mich vergossen hast; der Engel der Trauer hat sie in diesem Gefäß gesammelt. Wenn du noch eine Träne um mich weinest, so wird das Krüglein überfließen, und ich werde dann keine Ruhe haben im Grabe und keine Seligkeit im Himmel.

Darum, O lieb Mütterlein, weine nicht mehr um dein Kind, denn dein Kind ist wohl aufgehoben,
ist glücklich, und Engel sind seine Gespielen." Damit verschwand das tote Kind und die Mutter weinte hinfort keine Träne mehr, um des Kindes Grabesruhe und Himmelsfrieden nicht zu stören.

  Bechstein, Ludwig