Foto © Wfl

Frühlingsgedichte

Vorfrühlingstag

Hast du es auch gefühlt? - Es lag heut in der Luft

Ein leises Ahnen , sehnsuchtsvolles Drängen,

Ein Schollenhauch , ein weicher Pollenduft,

Ein Ruch von Veilchen in den Heckengängen.

 Hast du es gespürt , wie warm die Sonne schien

und sahst am Hang die braunen Knospen schwellen

die lichten Wölkchen hoch im Blauen ziehn ,

den feinen Schmelz perlmutfarbner Wellen ?

 die Stare zwitscherten so frühlingsfroh

mir war das Herz gar wundersam entklommen,

als müsste irgendwann und irgendwo

das Glück im Flügelkleide des Weges kommen!

 Und hat auch deine Seele wunderweit

sich allen Reizen der Natur erschlossen,

die Glücksempfindung naher Frühlingszeit

wie einen süßen Zaubertrank genossen ?

von Josephine Moos

Foto © Hans Aussem

Gänseblümchen

Langsam weicht die Winterzeit
einem hellen, warmen Licht,
das am ersten Frühlingstag
durch die kahlen Äste bricht.

Da wo dieser Strahl der Sonne
liebevoll den Boden küsst,
wächst ein neues Gänseblümchen,
das mich freudig, lächelnd grüsst.

Dieses Lächeln macht mich glücklich,
schon vergessen ist die Nacht
eines dunklen Wintermorgens,
der mich traurig hat gemacht.

Freudig schlägt mein warmes Herz,
das nicht länger warten kann
und ich nehme dankbar staunend
dieses Schöpfungswunder an.

© Monika Schudel, März 2001

die Lerche Foto © Uwe Nilitz

Frühlings Ankunft

Grüner Schimmer spielet wieder
Drüben über Wies' und Feld.
Frohe Hoffnung senkt sich nieder
Auf die stumme trübe Welt.
Ja, nach langen Winterleiden
Kehrt der Frühling uns zurück,
Will die Welt in Freude kleiden,
Will uns bringen neues Glück.

Seht, ein Schmetterling als Bote
Zieht einher in Frühlingstracht,
Meldet uns, dass alles Tote
Nun zum Leben auferwacht.
Nur die Veilchen schüchtern wagen

Aufzuschau'n zum Sonnenschein;
Ist es doch, als ob sie fragen:
„Sollt' es denn schon Frühling sein?“ Seht, wie sich die Lerchen schwingen
In das blaue Himmelszelt!
Wie sie schwirren, wie sie singen
Über uns herab ins Feld!
Alles Leid entflieht auf Erden
Vor des Frühlings Freud' und Lust
Nun, so soll's auch Frühling werden,
Frühling auch in unsrer Brust!

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
(1798 - 1874)

der Kukuck Foto © Foto111

Frühlingsbotschaft

Kuckuck, Kuckuck ruft aus dem Wald:
Lasset uns singen,
Tanzen und springen!
Frühling, Frühling wird es nun bald.

Kuckuck, Kuckuck lässt nicht sein Schrei'n:
Kommt in die Felder,
Wiesen und Wälder!
Frühling, Frühling, stelle dich ein!

Kuckuck, Kuckuck, trefflicher Held!
Was du gesungen,
Ist dir gelungen:
Winter, Winter räumet das Feld.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
(1798 - 1874)

Maler Frühling

Der Frühling ist ein Maler,
er malet alles an,
die Berge mit den Wäldern,
die Täler mit den Feldern:
Was der doch malen kann!

Auch meine lieben Blumen
schmückt er mit Farbenpracht:
Wie sie so herrlich strahlen!
So schön kann keiner malen,
so schön, wie er es macht.

O könnt ich doch so malen,
ich malt ihm einen Strauß
und spräch in frohem Mute
für alles Lieb und Gute
so meinen Dank ihm aus!

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
(1798 - 1874)

 Foto © Martin Fandler

 

Der Frühling ist da!

Der Frühling hat sich eingestellt,
wohlan, wer will ihn sehen?
Der muss mit mir ins freie Feld,
ins grüne Feld nun gehn.

Er hielt im Walde sich versteckt,
dass niemand ihn mehr sah;
ein Vöglein hat ihn aufgeweckt,
jetzt ist er wieder da.

Jetzt ist der Frühling wieder da.
Ihm folgt, wohin er zieht,
nur lauter Freude fern und nah
und lauter Spiel und Lied.

Und allen hat er, groß und klein,
was Schönes mitgebracht,
und sollt's auch nur ein Sträußchen sein,
er hat an uns gedacht.

Drum frisch hinaus ins freie Feld,
ins grüne Feld hinaus!
Der Frühling hat sich eingestellt,
wer bliebe da zu Haus?

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
(1798 - 1874

Frühling

Die Wälder und Felder grünen,
es trillert die Lerch in der Luft,
Der Frühling ist erschienen
mit Lichtern und Farben und Duft.

Heinrich Heine
(1797 – 1856

 Foto © Andreas S

Frühling

Was rauschet, was rieselt, was rinnet so schnell?
Was blitzt in der Sonne? Was schimmert so hell?
Und als ich so fragte, da murmelt der Bach:
„Der Frühling, der Frühling, der Frühling ist wach!"

Was knospet, was keimet, was duftet so lind?
Was grünet so fröhlich? Was flüstert im Wind?
Und als ich so fragte, da rauscht es im Hain:
„Der Frühling, der Frühling, der Frühling zieht ein!"

Was klingelt, was klaget, was flötet so klar?
Was jauchzet, was jubelt so wunderbar?
Und als ich so fragte, die Nachtigall schlug:
„Der Frühling, der Frühling!" - Da wusst' ich genug!

Heinrich Seidel
(1842-1906)

Frühling

Hoch oben von dem Eichenast
Eine bunte Meise läutet
Ein frohes Lied, ein helles Lied,
Ich weiß auch, was es bedeutet.

Es schmilzt der Schnee, es kommt das Gras,
Die Blumen werden blühen;
Es wird die ganze weite Welt
In Frühlingsfarben glühen.

Die Meise läutet den Frühling ein,
Ich hab' es schon lange vernommen;
Er ist zu mir bei Eis und Schnee
Mit Singen und Klingen gekommen.

Hermann Löns
(1866 - 1914)

Frühling

Nun ist er endlich kommen doch
in grünem Knospenschuh.
„Er kam, er kam ja immer noch“,
die Bäume nicken sich's zu.

Sie konnten ihn all erwarten kaum,
nun treiben sie Schuss auf Schuss;
im Garten der alte Apfelbaum
er sträubt sich, aber er muss

Wohl zögert auch das alte Herz
und atmet noch nicht frei,
es bangt und sorgt: „Es ist erst März,
und März ist noch nicht Mai.“

O schüttle ab den schweren Traum
und die lange Winterruh',
es wagt es der alte Apfelbaum,
Herze, wag's auch du!

Theodor Fontane
(1819 – 1898)

Frühlingsgedicht

 Wenn die ersten Blumen sprießen
Die Sonne ins Gesicht uns lacht
Man muss alle Blumen wieder gießen
Und alles viel mehr Freude macht

 Man ist von Helligkeit geblendet
Und der erste Sonnenstrahl
Und endlich wieder Wärme spendet
Und Freud und Leben überall

 Jetzt sind die Bäume nicht mehr kahl
Wo man hinsieht ist es grün
Vom Berge bis in tiefe Tal
Überall erwacht das Blühn 

Die Menschen wieder gerne lachen
Die Vögel kommen aus den Nestern
Man will lauter schöne Sachen machen
Und kein Grund ist mehr zu lästern

 Dass Du es jetzt endlich weißt
Diese Jahreszeit Frühling heißt

 Marion E.

 Foto © NNescio