Der  1. April

In diesem Monat kommt dem 1. April eine ganz besondere Stellung als Narrentag zu. Wenn wir auch die Aprilscherze ausdrücklich erst 1631 auf deutschem Boden belegt haben so scheinen sie doch ein sehr hohes Alter zu haben, da sie in der ganzen Welt bekannt sind Über den Ursprung der Sitte gibt es verschiedene Vermutungen:

1. Das veränderliche und trügerische Aprilwetter soll den Anlaß gegeben haben .Das oft trügerische, wetterwendische Wetter kann den Brauch nicht erklären, da es den 1. April auch in südlichen Ländern gibt, die im April konstant schönes Wetter kennen. Die Bauernregel "April's Lachen verdirbt des Landmanns Sachen" deutet aber darauf hin, dass man schon früh das "Lachen" mit dem "April" verbunden hat.  

 

2.Eine andere Erklärung des Monatsnamens geht davon aus, dass der April ursprünglich zweiter Monat (bis zur Iulianischen Kalenderreform 45 v. Chr.) war und daher zu Sanskrit apara "folgender", oder aber lat. von aperire = Der Eröffner (auf Kalender bezogen) oder aber aufgrund des "aper"-Werdens, dem Aufblühen und sich Öffnen in der Natur kommt.

 3. Es sei eine Erinnerung an das Herumschicken des Herrn von Pontius zu Pilatus , das am 1. April gewesen sein soll . Damit aber stimmt schlecht zusammen, dass man bei diesem Brauch dumme und einfältige Leute herumschickt.

 4. Da der Tag als der Geburtstag des Judas gilt, sei vielleicht die anfängliche Meinung, man müsse vor allerhand Schaden auf der Hut sein, später zur Vornahme von Schabernack mißbraucht worden

. 5. Es sei aus dem Narrenfest der Römer, den Quirina1ia, entstanden . Im alten Rom wurde angeblich am 1. April ein Narrenfest zu Ehren der lebens spendenden Göttin Venus sie führte auch den Beinamen Aprilis mit rauschenden Orgien und jede Menge mutwilliger Streiche unter Freunden. Schließlich war ihr der ganze April geweiht. 

 6. Es gehe auf das alte indische Hulifest zurück .

 7. Auf dem Reichstag zu Augsburg (1530) sei, um Ordnung in das Münzwesen zu bringen, ein besonderer Münztag für den 1. April festgesetzt worden. Dieser 1. April war dann das Ziel großer Spekulationen. Und als der Münztag nicht stattfand, verlachte man diese Spekulanten, und der 1. April wurde seit dieser Zeit Feiertag der Narren .

8.  1564: Der französische König Karl IX. verlegt im Zuge einer Reformierung des Gregorianischen Kalenders das bis dahin am 1. April gefeierte Neujahrsfest auf den 1. Januar. Wer dem nicht folgen wollte, galt fürderhin als "April-Narr". Diesen Personen wurde zwar - wie beim Neujahrsfest üblich - etwas geschenkt. Aber diese Geschenke waren Scherze und man erzählte viele Lügen. Das klingt schon eher wahrscheinlich.

  

9. Zusammenhang mit dem Beginn des neuen Jahres .
Am meisten leuchtet ein, wenn man hier den Rest eines Frühlingsbrauches sieht , der so den Narrenbräuchen der Fastnachtszeit zur Seite steht. Es äußert sich darin die ungebundene Fröhlichkeit, welche alle Menschen bei Beginn des Frühlings  ergreift. Im besondern aber vertritt der Aprilnarr, den man hinschicken kann, wohin man will, gewissermaßen den absterbenden, machtlosen Winter, mit dem der seine Herrschaft antretende Sommer tun kann, was er will . Und wenn ein Hauptmerkmal der Aprilscherze Täuschungen sind, so hat man auf Beispiele der Mythologie hingewiesen, die zum Teil auch erkennen lassen, dass es sich um einen kultischen Frühlingsbrauch handeln dürfte.

Es wird erinnert an die Täuschung des Kronos durch Rhea-Kybele, die dem Kinder fressenden Gatten statt des neugeborenen Zeus einen in ein Ziegenfell gewickelten Stein darbot, dann an die Täuschung des Winterriesen Thrym in der Edda durch Thor, der als Freya verkleidet ihm naht, und . auch der Name der indischen Liebesgöttin Maja, der Gemahlin der Brahma, hat die Bedeutung von „Täuschung" . Es ist auch möglich, dass diese alten Aprilfeiern, die heute mehr oder minder zu einem Kinderbrauch geworden ist, ursprünglich, wie anderen Frühlingsbräuchen , eine erotische Grundlage zukam

 

"In den April schicken" heißt, jemandem unsinnige Aufträge erteilen, die z. T. gar nicht zu erfüllen sind, aber glaubhaft klingen, z. B.:

jemanden Hühnerzähne suchen lassen,

das Besorgen von Krebsblut, Mückenfett, Kuckucksöl, Stecknadelsamen und Dukatensamen, Büberlsamen, zwei Ellen Baß, Gicht- und Gallzwicken, „Reißnägelsamen“, einen Kilo „Rechensamen“, zwei Kilo „Ibidumm“/"Ibitum" („Ich bin dumm“) um einen Kreuzer, Puckelblau, rosgrüne Tinte, ein grades Häkchen, gedörrten Schnee oder eine Packung „Haumiblau“ ( „Hau mich blau“), einer Wurstmaß, Taubenmilch oder gehackte Flohbeine, für einen Pfennig Ohwiedumm, einen hölzernen Holzschlägel, schwarze Kreide, einen Sonnenbohrer oder Nebeltrenner, gesponnenen Sand, Kieselsteinöl, Mystifit oder für fünf Pfennig "mens".

Oder man sagt:

"Du, es hat an der Tür geläutet“, „Schau, im hinteren Reifen deines Autos fehlt die Luft“, „Das Hosentürl ist offen!“, „der Knopf der Jacke ist abgerissen!“, „Der Unterrock schaut vor!“, „Der Schnürriemen (Schuhband) ist offen!“.

 

Oder man schreibt:

scherzhafte Briefe, etwa einen mit dem Inhalt:  Hätt'st du den Brief nicht aufgemacht, so würd'st du auch nicht ausgelacht.

Weitere Bräuche:

In Lissabon werden Vorübergehende mit Wasser bespritzt, oder es wird ihnen Pulver ins Gesicht geblasen

Bei Nagold in Württemberg schickt man die Kinder in die Häuser mit einem Zettel, auf dem steht: Aprilenbot, Aprilenbot! Schick den Narren weiter, gib ihm auch ein Stücklein Brot, daß er net vergebens goht.

In Schlesien schickt man zum Nachbar um den Windsack, worauf ein mit Stroh gefüllter und mit Steinen beschwerter Sack übergeben wird. Ebenda ist auch das Hiltpritschen fangen üblich. Man stellt die Leute mit einem Sack auf das Feld unter der Angabe, daß sie darin die Hiltpritschen, welche man ihnen zutreiben werde, auffangen sollen. Dies geschieht meist abends, und die Veranstalter entfernen sich in der Dunkelheit und lassen die Angeführten so lange stehen, bis sie selbst die Fopperei merken.

In Nordengland sendet man die Opfer von Haus zu Haus mit einem Brief, in welchem steht: On the First day of April hunt the gowk another mile.

Wird jemand hereingelegt, muss er noch den Spott ertragen: „Aprülnoar, bleibst a Noar, bis afs Joar.“ Je nach Landschaft erhält der Betroffene folgende Titel:

Aprilnarr (seit Ende des 17. Jahrhunderts eine Nachbildung des englischen "april fool")

Aprilesel

Aprilochse (bayrisch: Abrui-Ox, wohl als Übertragung vom Mai- bzw. Pfingstochsen); Aprilstier (Allgäu)

Aprilkalb

Aprilgeck (Saterland), Aprelsjeck (Rhein), verwandt mit dem engl. "gock"

Aprilaffe

Aprilfisch (franz. "poisson d´avril", Fische aus Papier, die die Kinder Altersgenossen oder älteren Menschen heimlich an den Rücken hängen)

Oder man ruft nach dem der Streich gelungen ist, einfach nur "April! April!"

Weitere Reimsprüchlein und anderes Hintersinniges:

Man schickt am 1. April den Ochsen, wohin man will; oft auch am 1. Mai den Ochsen in das Heu. Schickt man ihn nah, ist er gleich wieder da; schickt man ihn weit, so wird er gescheit."

"Wer auf Narren hoffend blickt, der wird in den April geschickt." (Nahetal)

"Angeführt, mit Butter geschmiert, mit Käse geleckt, hat's gut geschmeckt?"

"Aprella-Narr! Hätsch net g'schaut, wärscht ke Narr.

"April, April, de Katt schitt, wat se will "

"Angeführt mit Löschpapier, (morgen kommt der Unteroffizier mit der Peitsche hinter dir.)"

"April 1 is the day upon which we are reminded of what we are on the other 364 days" (Mark Twain)

Der 1. April in aller Welt:

Bei den Flämen heißt der 1. April auch „Versendungstag".

In England wird er »Allfools Day« (Aller Narren Tag) genannt und das Aprilschicken mit »making an April fool« (einen Aprilnarren machen) bezeichnet

Daß unser Aprilbrauch aus Frankreich stammt, ist wenig wahrscheinlich, weil wir dann doch mit der Sache auch den Namen übernommen hätten.

Dagegen haben ihn die Tschechen sicher von den Deutschen übernommen, weil sie die Wendung gebrauchen „jemanden in den April schicken" (posílati nekoho Aprilem) 40), während sie sonst den Monat duben (Eichenmonat) nennen.

Während er den Südslawen unbekannt ist und auch die Russen kennen zumindest zu Beginn des 18. Jahrhunderts den 1. April als Narrentag noch nicht. Peter I. hat es sehr übel aufgenommen, als der aus Danzig stammende Theaterdirektor Johann Kunst sich mit ihm und dem Theaterpublikum am 1. April 1705 einen allerdings sehr einfältigen Aprilscherz erlaubte.

Der Islam und das Judentum halten dagegen nichts von Aprilscherzen, was aber nicht bedeutet, dass sie humorlos sind, sondern nur dass der Brauch nicht bis zu ihnen vorgedrungen ist.

Der 1. April als Unglückstag:

Nach altem Glauben, soll dieser Tag Unglück bringen.

Angeblich wurde Judas Ischariot an diesem Tag geboren, Luzifer in die Hölle geschickt (Tag des Engelsturzes).

Ein anderer religiöser Erklärungsversuch und damit eigentlich Deutungsversuch bringt den Brauch mit dem Herumschicken Christi "von Pontius zu Pilatus" in Verbindung.

Wohl vom  1. April ausgehend wurden der Brauch solcher Scherze in manchen Regionen auch auf andere besondere Tage übertragen.

Verbreitung der Redewendungen:

1618: In Bayern ist erstmals davon die Rede, "jemanden in den April zu schicken".

1631: Erster Beleg für Aprilscherze auf deutschem Boden außerhalb Bayerns

Zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts: Belege für das Wort "Aprilnarr"

u.a. 1733 bei Abraham a Santa Clara, Etwas für alle, Würzburg 1733: "Heut` ist der erste April, da schickt man den Narren wohin man will" 1749:  In der Literatur wird der 1. April als Brauch, z.B. in dem englischen Roman "Clarissa Harlowe" von Richardson (übersetzt v. J.D. Michaelis, Göttingen, 1749) benannt. 1780 Mozart in: Die Gärtnerin aus Liebe, Nardo zu Podestà über Serpetta: "Glaubt nicht an die Lügen des losen Mädchens, sie will euch schicken in den April!"

1835: Franscini Der Kt. Tessin, schreibt: „in die Kalenden schicken"

Goethe schreibt: "Willst du den März nicht ganz verlieren, so laß nicht in April dich führen. Den ersten April sollst du mit viel Lachen überstehen, dann kann dir manches Gute nur geschehen."

19. Jahrhundert: Das Wort "Aprilscherz" wird geläufig.

 

Eine Erklärung könnte sich auch aus dem Monatsnamen April ergeben:

Allgemein wird angenommen, das das lateinische "aprilis" (àbrille, mhd. abrelle, franz. avril) wahrscheinlich aus einer vom etruskuskischen aprodita (Aphrodite=Venus) abgeleiteten Kurzform apru(n) entstanden. Aphrodite wiederum ist die griechische Liebesgöttin, der in der römischen Mythologie die Göttin Venus entspricht, die wiederum angeblich am 1. April gefeiert wurde. Ihr wird als Ehre und Anteil bei den Menschen und Göttern angerechnet:  mädchenhafte Vertraulichkeit, Lachen und Spiele der Täuschung, Reiz der Verführung und süße Verliebtheit und Lust der Umarmung. Martin Grotjahn erinnert in seinem Buch "Vom Sinn des Lachens" an das "lange Gelächter" aus Schadenfreude der Homerischen Götter (im achten Gesang der Odyssee).

Als nämlich der bucklige und lahme Gott Hephaistos, der Schmied, seine Gemahlin Aphrodite in den Armen des Kriegers Ares im Bett nach einem Hinweis durch Helios überrascht und die beiden in seinem Netz fängt und mit Ketten aneinander bindet zum Beweis ihres Frevels, ruft er wütend alle Götter zu Zeugen des Skandals an, und alle eilen sie herbei: "Da eilten zum ehernen Haus die Götter:  Poseidon kam, der Erdumgürter, und Hermes Kam, der Bringer des Heils, es kam der Schütze Apollon, Aber die Göttinnen blieben vor Scham in ihren Gemächern. Unter die Pforte traten die Götter, die Geber des Guten.  Unauslöschlich Gelächter erscholl bei den seligen Göttern, Als sie die Künste sahen des klugen Erfinders Hephästos. Und man wendete sich zu seinem Nachbarn und sagte: Böses gedeiht doch nicht; der Langsame fängt ja den Schnellen!"  (Homer: Odyssee, VIII, 320ff). Und Hermes gesteht lächelnd, daß es ihm nichts ausmachen würde, so gefangen zu sein - und wenn das Netz dreimal so stark wäre und alle Götter und Göttinnen zuschauten; die Liebe Aphrodites sei es wert. Da lachten die Götter wieder.

Auch beim schadenfrohen Lachen schwingt Jubel mit. Manchmal ist es, als würden die Dinge wieder zurecht gerückt, Gerechtigkeit wieder hergestellt. Aber in der Schadenfreude kann auch der Jubel darüber mitschwingen, daß man selbst entkommen ist, während es den anderen erwischt hat. So wie im Beispiel aus der Odyssee; denn so manche Götter, die da lachen, hätten liebend gern mit Ares getauscht. Die eigentliche Tat scheint schnell vergessen zu sein, das Ertappt werden ist offenbar die das Gelächter auslösende Schande.

Karl Stieler (1842-1885): Der erst April

Drent bei der Herrschaft auf´m G´schloß
Da hab´n s´a Bräuhaus baut wie groß!
Dös Bräuhaus sollt jetzt eing´weicht wer´n,
Und da san eing´lad´n alle Herrn.
Da gibt´s an extrig´s Bier, wohl g´wiß
Dös beste, dös no braut wor´n is!
Koa selles Bier gibt´s ninderscht net,
Denn von dem Bier wird üb´rall g´redt.
Und auf den Tag, da freu´n si´viel,
A Sunta´ ist, der erst´ April.

"Ja", sagt der Schloßherr, "wenn i´s sag,
Dös ist halt do´ der beste Tag,
Denn wenn am End mei Bier recht schlecht is,
Es kunnt ja sein, daß´s niemand recht is,
Na´ sag i bloß: Was wollts von mir?
Was glaubts denn von dem guaten Bier?
Ees merkt´s ja gar nit, was i will,
I will enk - schicken in April!"

Is´s guat: no ja, na´ geht´s a so;
Is´s schlecht: na´ is an Ausred do.