Der April

Der Regen klimpert mit einem Finger
die grüne Ostermelodie.
Das Jahr wird älter und täglich jünger.
O Widerspruch voll Harmonie!

Der Mond in seiner goldnen Jacke
versteckt sich hinter dem Wolken-Store.
Der Ärmste hat links eine dicke Backe
und kommt sich ein bisschen lächerlich vor.
Auch diesmal ist es dem März geglückt:
er hat ihn in den April geschickt.

Und schon hoppeln die Hasen,
mit Pinsel und Tuben
und schnuppernden Nasen,
aus Höhlen und Gruben
durch Gärten und Straßen
und über den Rasen
in Ställe und Stuben.

Dort legen sie Eier, als ob's gar nichts wäre,
aus Nougat, Krokant und Marzipan.
Der Tapferste legt eine Bonbonniere,
er blickt dabei entschlossen ins Leere -
Bonbonnieren sind leichter gesagt als getan!

Dann geht es ans Malen. Das dauert Stunden.
Dann werden noch seidene Schleifen gebunden.
Und Verstecke gesucht. Und Verstecke gefunden:
Hinterm Ofen, unterm Sofa,
in der Wanduhr, auf dem Gang,
hinterm Schuppen, unterm Birnbaum,
in der Standuhr, auf dem Schrank.

Da kräht der Hahn den Morgen an!
Schwupp sind die Hasen verschwunden.
Ein Giebelfenster erglänzt im Gemäuer.
Am Gartentor lehnt und gähnt ein Mann.
Über die Hänge läuft grünes Feuer
die Büsche entlang und die Pappeln hinan.
Der Frühling, denkt er, kommt also auch heuer.
Er spürt nicht Wunder noch Abenteuer,
weil er sich nicht mehr wundern kann.

Liegt dort nicht ein kleiner Pinsel im Grase?
Auch das kommt dem Manne nicht seltsam vor.
Er merkt gar nicht, dass ihn der Osterhase
auf dem Heimweg verlor.

Erich Kästner

Zitronenfalter im April

Grausame Frühlingssonne,
Du weckst mich vor der Zeit,
Dem nur in Maienwonne
Die zarte Kost gedeiht!
Ist nicht ein liebes Mädchen hier,
Das auf der Rosenlippe mir
Ein Tröpfchen Honig beut,
So muss ich jämmerlich vergehn
Und wird der Mai mich nimmer sehn
In meinem gelben Kleid.

Eduard Mörike
(1804-1875)

 

  April (mhd. aberelle). 
 Der Latein. Aprilis 1) soll nach Ovid den Namen von aperire = öffnen haben, weil der Frühling alles öffnet.

 Daneben ist seit der Zeit Karls des Großen die deutsche Bezeichnung Ostermonat (Ôstarmânôth) belegt. Diesem entspricht aber schon das ags. Eósturmônath des das dieser von einer fraglichen Göttin Eostra  herleitet, der eine deutsche Ostara entsprechen soll .

Neben diesen beiden Namen kommen nur vereinzelt andere vor, so im holsteinischen (Bordesholmer) Kalender (16. Jh.) Koltenmaen bei den Nordfriesen Feskmuun  (Fischmonat) und Puaskmuun, älter Paeschmaend (Ostermonat), in den Niederlanden Grasmaand. Dän. heißt der April Faaremaaned (Schafmonat). Schon das Breslauer Monatgedicht (15. Jh.) hebt hervor, daß in diesem Monat die Schafe geschoren werden. Endlich schwed. Vårant oder Vårmånad, und isl. Gaukmânadr, neuisl. Harpa  Auch bei Fischart findet sich der Name Gauchmonat wohl weil sich um diese Zeit der Kuckuck als Bote des warmen Frühlings hören lässt überliefert sind noch die Namen Hirtenmonat Marxmonat (Markus, 25. April) und Stiermonat, das letzte wohl, weil im April die Sonne in das Zeichen des Stieres tritt.

Text © Medienwerkstatt Mühlacker www.wissenskarten.de

 

 

Bauernregeln: Sprichwörtlich ist die unentschlossene Witterung in diesem Monat, das Aprilwetter.
"Bald trüb und rauh, bald licht und mild, / April - des Menschen Ebenbild. "
"Märzen winde, Aprilenregen / verheißen im Mai großen Segen."
"Bläst der April mit vollen Backen, / gibt's viel zu jäten und zu hacken."
"Donner im April / viel Gutes künden will."
"Wenn es donnert im April, / dann hat der Reif sein Ziel."
. Trockener März und nasser April/sind des  Bauern Will'."
"Nasser April / blumiger Mai."
"April, dein Segen / heißt Sonne und Regen.
Bloß den Hagel, / den häng an den Nagel."
"April nass und kalt / wächst das Korn wie im Wald."
"Was der März nicht will / holt sich der April.
Was der April nicht mag / steckt der Mai in den Sack."
"April zu trocken / lässt Keime stocken."
"Ist der April zu schön, / wird im Mai Schnee noch weh'n."
"Wenn im April schon Maikäfer fliegen, / bleiben sie oft im Schmutze liegen."
"Ist der April zu gut, / schneit's dem Schäfer auf den Hut."
"Ist der April mild und fein, / wird Maien um so wilder sein."
"Heller Mond im April / schadet den Blüten viel."

 

 In diesem Monat kommt dem 1. April eine ganz besondere Stellung als Narrentag zu.    

Siehe auch