Allerheiligen , Allerseelen

und der Totensonntag

Allerheiligen ist ein alter katholischer Feiertag. Es ist ursprünglich das Fest für sämtliche Märtyrer (Blutzeugen) und alle Heiliggesprochenen.
Noch heute gedenkt man am Allerheiligen in der katholischen Kirche in einer morgendlichen Messfeier aller Heiligen, auch der unbekannten.

Heilige sind zunächst alle verstorbenen Christen, die um ihres Glaubens willen hingerichtet wurden, später auch die Bekenner, die ihr Leben lang als Christen überzeugt haben. Heilig wurden sie im ersten Jahrtausend dadurch, dass ihre toten Leiber „zur Ehre der Altäre erhoben” wurden, d.h. unter oder auf dem Altar aufbewahrt und verehrt wurden. Die erste förmliche Heiligsprechung (Kanonisation) erfolgte für den hl. Ulrich von Augsburg (923 - 973), der 993 heilig gesprochen wurde.

„Wer den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben. Denn Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr” heißt es 1. Brief an die Korinther 3,17. Aus der alttestamentlichen Vorgabe (Lev 19,2) schlussfolgert der 1. Petrusbrief 1,15f.: „Wie er, der euch berufen hat, heilig ist, so soll auch euer ganzes Leben heilig werden. Denn es heißt in der Schrift: Seid heilig, denn ich bin heilig.” Zur Heiligkeit berufen ist jeder Christ und in eben diesem Sinne trägt der Bischof von Rom, der Nachfolger des hl. Petrus den Titel „Heiliger Vater”.

Jährliche Gedenktage für Verstorbene - seien es Märtyrer, Heilige oder "Normalsterbliche" - gab es bereits im antiken Christentum. Seit dem 9. Jahrhundert hat dieses Gedenken ein festes Datum: Allerheiligen wird am 1. November begangen.

998 legte dann Odilo von Cluny die Allerseelenfeier für den 2. November fest.

 Der Überlieferung zufolge hörte er nach einer Allerheiligenfeier die Teufel aus dem Berg "Vulcano" (bei Sizilien) heulen, "weil ihnen so viele Seelen entrissen würden". So bestimmte der Abt, dass noch mehr für die Verstorbenen gebetet werden sollte. Dadurch sollten sie aus dem Fegfeuer und den Qualen erlöst werden.
die Mönche von Cluny verbreiteten das Fest im 11. Jahrhundert, in Rom wurde es erstmals im 14. Jahrhundert gefeiert.

An beiden Tagen wird der Verstorbenen gedacht - mit verschiedenen Schwerpunkten. An Allerheiligen stehen - der Name sagt es - alle Heiligen (Märtyrer) im Mittelpunkt. Anno 835 wurde Allerheiligen in diesem Sinne von Papst Gregor IV. eingeführt.

An Allerheiligen werden auch die Gräber auf den Friedhöfen von den Angehörigen geschmückt, bei Katholiken wird das "Seelenlicht" entzündet, das auch noch am darauf folgenden Allerseelentag leuchtet. Damit leitet Allerheiligen allerdings bereits über zu Allerseelen.

Denn an Allerseelen steht die Hilfe der Lebenden für die Verstorbenen im Zentrum. Folgenreich war in diesem Zusammenhang der Armseelenkult. Dieser Kult wurde durch die von einigen Kirchenvätern vertretene und vom Trienter Konzil bestätigte Auffassung gefördert, die Seelen Verstorbener, die vor Gottes Gericht bestanden hätten, seien vor ihrer Aufnahme in den Himmel an einem Ort der Reinigung (Purgatorium, Fegfeuer). Die Lebenden könnten den Toten durch Armseelenspenden helfen: Messopfer, Gebete, Opfer und Fasten. Eben diese „Pflege der Seelen” in Form von „Seelgerätestiftungen”, die Hilfe der Lebenden für die Verstorbenen, deren endgültige Erlösung durch „gute Werke” befördert werden sollte, konzentrierte sich auf Allerseelen.

dieser Glaube stammt ist unbekannt. Aber er wirkt bis heute nach: Der Gang zu den Gräbern bestimmt das Bild des Allerheiligen-Festes. Warum man den Toten "Ewige Lichte" anzündet, ist kaum einem Friedhofsgänger bewusst: sie sollten den zurückkehrenden Seelen den Weg weisen. Zudem wurden Brot und Wein zur Verpflegung auf die Gräber gelegt. In manchen Gegenden Nordrhein-Westfalens werden noch heute "Seelenbrote" gebacken.
Einen Tag nach Allerheiligen, am Mittag von Allerseelen, kehren die geschundenen Seelen ins Fegefeuer zurück. Mancher Orten haben sie weniger Zeit für den Besuch in der alten Heimat: schon im ersten Morgenlicht, so heißt es, müssen sie zurück in die Vorhölle.

Heute steht an Allerheiligen und Allerseelen die Trauer um den Tod geliebter Menschen im Vordergrund. Ursprünglich aber überwog die Freude über die "Heiligen", man feierte die vorübergehende Rückkehr der "Armen Seelen", die kurze Begegnung der Lebenden mit den Toten.

Seit dem 19. Jahrhundert gibt es aber auch in protestantischen Gebieten stärkere Bewegungen. So entwickelte sich in Deutschland die Tradition des Totensonntags, der am letzten Sonntag im Kirchenjahr gefeiert wird, bevor mit dem 1. Advent das neue Kirchenjahr beginnt.

Das Datums ist nicht zufällig gewählt: Es bezeichnet zum einen das Ende, das Unwiederbringliche eines abgeschlossenen Zyklus. Indem auf dieses Ende aber der Advent, der von Gott gesetzte Neuanfang folgt, wird auch der Glaube veranschaulicht, dass der Tod nicht das letzte Wort ist.

Dieser Totensonntag gelangte - zumeist unter dem Namen "Ewigkeitssonntag" - im Laufe des 20. Jahrhunderts auch in die reformierte Schweiz. Häufig werden im Gottesdienst die Namen aller Gemeindeglieder verlesen, die im Verlaufe des (Kirchen-) Jahrs gestorben sind. Empfohlen ist zudem eine Fürbitte für die Verstorbenen. Im Anschluss an den Gottesdienst begibt sich die Gemeinde auf den Friedhof. - Im übrigen hält der Brauch, an Allerheiligen Lichter auf die Gräber zu stellen, auch in reformierten Friedhöfen Einzug.



 
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