Dem Traum

wurde von allen Kulturen und Religionen eine besondere Bedeutung eingeräumt, denn so wie in Märchen und Mythen zeigen sich in Träumen Symbole und offenbaren etwas Übersinnliches, das sich nur in Analogien und Gleichnissen mitteilen kann. Träume galten häufig als Botschaften der Götter und Dämonen, daher war es essentiell, diese Botschaften als kultische Aufgabe zu deuten.

 

In Ägypten wurde das Hieratische Traumbuch etwa 1150 vor Christus niedergeschrieben, das in Stichworten über die Bedeutung der häufigsten Traumsymbole Auskunft gibt. Im Heiligtum des Serapis Kult gab es einen Raum, in dem man schlafend auf eine göttliche Offenbarung hoffte, die dann von Traumdeutern erläutert. Auch von Babyloniern und Assyrern sind auf Tontafeln Traumbücher fragmentarisch erhalten.

 

Bei den Griechen galt der Traum als ein Pfad zur Verbindung des Schlafenden mit den jenseitigen Göttern, Helden und Verstorbenen

Die im Nildelta lebenden Fellachen umwickeln in der Nacht ihren Kopf mit einem Turban um zu verhindern, dass die Seele während des Schlafes den Kopf verlässt. Die Massai in Kenia wagen es nicht, einen Schlafenden plötzlich aufzuwecken, da sie fürchten, dass die Seele nicht in den dadurch verwirrten Körper zurückkehren könnte. Bei den Senoi, einem Volk aus dem malayischen Urwald lernen schon die Kinder, mit dem Traum und dessen Figuren aktiv umzugehen. Die Senoi entwickeln die Fähigkeit, Träume zu verändern und nutzen diese, um ihren Göttern, Geistern und Dämonen entgegen zu treten. Im engen Kreise des Dorfes diskutieren sie über ihre nächtlichen Erfahrungen, Erlebnisse und deren Konsequenzen.

Alle Traumfiguren, die Ängste auslösen, werden als feindselig angesehen, angegriffen und getötet. Freundlich gesinnte Traumfiguren werden um Rat und Hilfe gebeten, welche im Gegenzug Geschenke bekommen. Auch die Sexualität spielt eine wichtige Rolle bei den Senoi. So sollen sexuelle Träume immer zum Orgasmus führen, und danach dem Traumpartner ein Geschenk in Form eines Gedichtes oder Liedes überreicht werden. Die im Traum erhaltenen Geschenke werden anderen Stammesmitgliedern vorgeführt. Quellen:

http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/SCHLAF/Schlaf-Traum.shtml

 

Der Traumfänger

 Böse Träume sollten besser draußen bleiben!

Die Indianer glaubten, dass sie von den geheimnisvollen Kräften einer unsichtbaren Welt umgeben waren. Die magischen Wesen und Dinge konnten gut oder böse sein. Eine der besten Möglichkeiten, um mit der unsichtbaren Welt Kontakt aufzunehmen, war das Träumen. Beim Fasten und Nachdenken über sich selbst und die Natur warteten die Indianer auf Fantasiebilder, so genannten Visionen, die ihnen eine bestimmte Richtung in ihrem Leben zeigen sollten.

Gestalten, Tiere und Dinge, die in einem Traum oder einer Vision vorkamen, waren Boten der Geisterwelt oder Schutzgeister. Jeder Indianer hatte seinen persönlichen Schutzgeist, der übernatürliche Kräfte besaß und damit seinen Schützling stärkte.

Ein magischer Traum konnte das Leben eines Indianers von heute auf morgen völlig verändern. Doch in der Nachtluft tummelten sich nicht nur die guten, sondern auch die bösen Träume. Um sich vor solchen Träumen zu schützen, fertigten die Indianer Traumfänger. Auch heute noch gibt es viele Geschichten über die Herkunft des Traumfängers.

Auch die Azteken kannten Traumfänger. Sie nannten ihn Titlahtin, was übersetzt so viel heißt wie „das, was mich beruhigt“.

Der Traumfänger ist für die Indianer ein heiliger Gegenstand. Er ist ein sehr persönliches Geschenk der Großeltern an ihre Enkelkinder. Der Traumfänger wird von den Großeltern für angefertigt und geweiht. Die Weihe findet durch das Beräuchern des Traumfängers mit bestimmten Heilkräutern und dem gleichzeitigen Sprechen eines indianischen Gebets statt. Nur mit dieser festgelegten Zeremonie kann der Traumfänger wirken.

Die guten kennen den Weg durch das Loch in der Mitte das Traumfängers (engl. "Dreamcatcher"). So glauben die Indianer, dass die schlechten Träume im dicht gespannten Netz bis zum Morgen festgehalten werden, um dann von der aufgehenden Sonne vernichtet zu werden. Die Indianer hängen Traumfänger vor allem über die Wiegen und Betten ihrer Kinder. Die kleinen Schlafmützen sollen so vor Alpträumen verschont werden.


Im Wesentlichen gibt es vier Legenden um den Ursprung der Traumfänger, drei davon sind jeweils einem der folgenden Stämme zuzuordnen: Den Azteken, den Lakota und den Anishinabe. Die vierte Legende ist keinem einzelnen Stamm zuzuordnen. Alle Legenden gibt es in unzählig verschiedenen Versionen

Während die bösen Träume im Netz hängen bleiben und später von der Morgensonne neutralisiert werden, schlüpfen die guten Träume durch das Netz hindurch und können durch die mittlere Öffnung verschwinden. Anwendung und Interpretation variieren je nach Legende.

 

Allerdings entweichen die schlechten Träume in der Legende der Lakota durch das Loch in der Mitte, und die guten Träume bleiben im Netz

Der kulturhistorische Ursprung ist kaum jemandem wirklich bekannt. Möglicherweise Sioux und Ojibway.

 Meist vermutet man die nördlichen Plains oder den Südwesten der USA als Ursprungsgebiet der Traumfänger. Das mag daran liegen, dass in diesen Gebieten relativ starke Indianerbevölkerungen leben, die seit Jahren mit wachsendem Erfolg versuchen, durch Wiederbelebung und Verbreitung ihrer traditionellen Handwerkskunst ihren Lebensunterhalt zu verbessern.

Die netzwebende Spinne jedenfalls ist einer Reihe nordamerikanischer Kulturen heilig. So lehrte Spider Woman (Spinnenfrau) die Navajos das Weben und bei den Lakota personifizierte die Spinne „Iktomi“ die Klugheit, dieser ist aber zugleich ein „Trickster“ (Täuscher), der Menschen und Gottheiten Streiche spielt. In manchen Gegenden des westlichen Nordamerika erschien die Schöpfergottheit als Spinne, auf deren Netz die Erde ruhte.

Um den guten Träumen den Weg freizumachen, befindet sich in der Mitte eines jeden Traumfängers ein mehr oder minder großes Loch. Ich habe schon viele Traumfänger gesehen, die bis zur Mitte „zugewebt“ waren. Dies bedeutet jedoch, dass die guten Träume keinen Weg finden können, zum Schlafenden zu gelangen.

 

Manche Traumfänger wurden, je nach Verwendungszweck für Frauen/Mädchen und Männer/Jungen, durch verschiedene Federn unterschieden. Federn der Eule standen als weibliches Symbol für die Weisheit. Adler-Federn standen als männliches Symbol für Mut und Stärke.

 

Ebenso ist eine Sage, dass bei Vollmond hergestellte Traumfänger die stärksten Kräfte besitzen.

 

In einigen Gebieten Kanadas und der nordöstlichen USA haben sich spezielle Formen herausgebildet, die Traumfänger sind dort nicht rund, sondern tropfenförmig und ähneln auf den ersten Blick mehr den indianischen Schneeschuhen.

 

Der „klassische“ Traumfänger bestand aus einem hölzernen Reifen (Weide) und das Geflecht bestand aus einer Darmschnur oder Sehnenfaden. Leder, Perlen, Federn, Pferdehaar und einige andere Materialien verzierten dann das Ganze.

 

Bei den Traumfängern der Aborigines (australische Ureinwohner) z.B., wurde ein Streifen glatter Tierhaut zu einem kreisrunden Rahmen genäht. Damit wurde dann ein entsprechend großes Spinnennetz aus der Natur mit einer schnellen Bewegung eingefangen. Zuvor wurde der Rahmen eingerieben, sodass das Netz am Rahmen „kleben“ blieb. Dann wurde mit diesem sehr zerbrechlichen Gebilde, im Kreis der Stammesmitglieder, ein Traumtanz durchgeführt. Dabei konzentrierte sich der/die Tänzer/in auf eine wichtige Frage, bat für die Nacht um einen Traum und um Hilfe, sich an diesen ingefangenen“ Traum zu erinnern. Die Mystik der Aborigines besagte, dass die im Traum gezeigten Symbole - meist Tierbilder – die Antworten enthielten.

 

Der Kreis des Traumfängers symbolisiert einerseits den Kreis des Lebens und andererseits den Verlauf der Sonne und so dient der Traumfänger auch als Andenken an die Spinnen-Frau, die die Sonne den Menschen zurückgebracht hatte.

Die Federn, die zur Dekoration des Traumfängers verwendet werden, symbolisierten den Atem des Grossen Geistes und somit auch die Luft. Es soll anzeigen, wenn der Wind durch den Traumfänger blässt und sich die Feder bewegt, wie wichtig Luft für unser Leben ist.